Brett Anderson bzw. die Reaktionen auf sein Solo-Werk lassen einen erneut am eigenen Musikgeschmack zweifeln: Geht es nämlich nach der britischen Presse so ist die titelgebende "Wildnis" nichts anderes als der momentane Zustand von Mister Andersons Karriere. In Wahrheit schafft "Wilderness" einen erstaunlichen Spagat, die knappen 33 Minuten könnten mit ihrem intimen Akustik-Sound kaum weiter von der Künstlichkeit der frühen Suede entfernt sein erinnern allerdings trotzdem frappierend an die Atmosphäre von..."Dog Man Star"?! Wobei die Zeiten von zehn Minuten Tracks und Materialschlachten (vorerst?) vorbei sind: Klavier, Streicher, einmal Polanski Gattin Emmanuelle Seigner als Duettpartnerin, viel mehr benötigt Brett Anderson auf seinem zweiten Alleingang eigentlich nicht um eine mitternächtliche Atmosphäre von wohltemperierter Verzweiflung und gediegener Einsamkeit zu erzeugen. Die Droge der Wahl ist 2008 weniger Ecstasy als schwerer, roter Wein und die eine oder andere Gauloises. Und entgegen der Behauptung des NME klingen auch die Songs nicht alle gleich, erzeugen aber sehr wohl eine durchgehende, stark melancholische Atmosphäre. Ein angenehmes Album, welches aufgrund seiner kurzen Laufzeit hervorragend in die frühen Morgenstunden passt, wenn man alleine nach Hause kommt und eine adäquate akustische Tapete benötigt. Ob "Wilderness" allerdings den erste Schritt auf einem neuen Weg darstellt oder lediglich ein kurzes Innehalten und Luftholen vor dem großen Comeback...das kann und wird nur die Zukunft zeigen.