Ich weiß, ich bin ein bissel spät dran mit dieser Platte. Aber es braucht seine Zeit, den mittlerweile sechsten Koloss der Mühlheimer Band Bohren und der Club of Gore durchzustehen und sich dieses Werk im wahrsten Sinne des Wortes dabei eben auch bewusst zu machen. Der erste Eindruck bricht sich mit der der bekannten Überwältigung Bahn. Ihre forcierte Klangästhetik kommt gewohnt stoisch, gewohnt massiv daher, also wieder in Form dieser dickflüssigen Bass-Ursuppe, durchsetzt von Ruderschlagrhythmen, bei denen fast immer drei Schläge entweder auf das Hi-Hat gesetzt werden und der vierte mit aller Wucht die Felle malträtiert oder die Bass-Drum mehrmals angeschlagen wird und das Hi-Hat nun den strukturierenden Akzent setzt. Dazu Klavier, Orgel, hin und wieder ein elegisch geblasenes Saxophon. Dafür sind Bohren bekannt und dafür werden sie als Erfinder des sogenannten Jazz-Gore (einer Mischung aus Doom-Metal und Ambient-Jazz) mit Sicherheit in die Musik-Annalen eingehen. Auf auch dem aktuellen Album hinterlassen sie mit ihrer Art des Töne-Aussitzens primär eine pechschwarze Grundierung. Doch die LP "Dolores" bringt nicht nur im Titel einen schön klingenden Frauennamen (selbst wenn dieser in seiner etymologischen Bedeutung für Schmerz und Qualen steht), auch ihr zäher Magmasound scheint an mancher Stelle ein wenig zerbröselt und zu fruchtbarer Muttererde zerfallen zu sein, auf denen das eine oder andere ansehnliche Blümchen sein Köpfchen ins Licht zu recken versucht. Insbesondere die Orgeltupfer und das Xylophon kommen mit einer bei diesem Club unüblichen Melodiösität daher. Es ist erstaunlich, wie diese vier Herren in diesem engen Klangraum, den sich Bohren bei allen ihren bisher erschienenen Platten gesetzt haben, dennoch immer wieder Momente unterzubringen wissen, die die einzelnen Werke im Detail sehr wohl voneinander absetzen. Der Vorgänger "Geisterfaust" oder eben auch "Midnight Radio" waren mit ihrem zum Teil immens langen Stücke die sphärischen Vertreter in diesem Gesamtwerk. Wobei "Geisterfaust" stilistisch ein sowas von grottendüsteres Abenteuer darstellte, gegen das "Midnight Radio" doch eher an lange einsame Autofahrten erinnerte, die ja nicht immer schlimme Gedanken produzieren müssen, sondern von dem einen oder anderen ob ihres entspannenden Moments auch mal gezielt unternommen werden. "Dolores" hingegen kommt wieder etwas songorientierter daher, wie es auch ihr Meisterwerk "Black Earth" 2002 auszeichnete. Aber gegen diesen damaligen schwarzen Monolithen ist "Dolores" geradezu frisch intoniert. Immer noch herrscht Düsternis, doch ein, zwei Laserpointer, um auf hellere Flecken hindeuten zu können, werden dieses Mal geduldet.