Irgendwas muss dran sein an dieser Band. Kafkas haben ihr letztes Album "Privilegienthron" im Jahr 2001 veröffentlicht. Trotzdem halten sie sich seither hartnäckig als weitläufig bekannte Größe im Mittelfeld der Punkrock-Szenen. Wer wissen will, wie sie das schaffen, der werfe einen Blick auf die Tourdaten der letzten Jahre. Aber allein die beständige Präsenz auf Deutschlands und Österreichs Bühnen ist es nicht, was die Band aus Fulda ausmacht, wie jeder weiß, der sich irgendwie schonmal mit ihrer Musik beschäftigt hat. Schon mit ihrer Namensgebung haben sich die die Mannen um Markus Gabi Kafka ihre Mission auf die Fahnen geschrieben, die hiesige Musiklandschaft mit anspruchsvollem und nicht-geradlinigem Punk zu bereichern. Und das setzt sich jetzt endlich fort mit neuem Songmaterial. Bevor im Januar 2009 das neue Album "Paula" erscheint, gibt's mit der EP "LD50" einen Vorgeschmack, der das Wasser in den Mündern der Fans zusammenlaufen lässt. Auch wenn der Opener "...wenn es eine Hölle gibt" melodisch leicht nach den Toten Hosen klingt, ist der Song doch absolut stimmig und stellt sogleich die unbestreitbare Stärke der Kafkas unter Beweis: Man muss die Band ob ihrer scharfsinnigen Texte lieben, und dieser hier schreit allen gerade Verlassenen direkt aus der Seele. Die musikalischen Einflüsse, die im Folgenden zu Gehör gebracht werden, lassen die braveren Klänge am Anfang aber zunehmend vergessen. "Klatscht in die Hände" erinnert von der Komposition und dem Gesang her an die Goldenen Zitronen, wobei das Keyboard gerade soweit zum Einsatz kommt, dass es nicht kitschig wird. Ebenso wenig überstrapaziert wird das Ska-Riff von "Irgendwas ging schief". Ihren Höhepunkt erreicht die EP mit dem schön ungestümen "Damit anzufangen, damit aufzuhören", für das man textlich ein bisschen bei Slime geklaut hat. Aber nur ein bisschen, denn grundsätzlich findet Markus Gabi Kafka selbst kluge Worte genug, die einen ins Grübeln bringen. Auch wenn die Arrangements manchmal gewöhnungsbedürftig, sprich poppig daherkommen, sind die Texte erfrischend, anregend und immer so wahr. Und somit stechen Kafkas heraus aus dem Einheitsbrei, den der Deutschpunk allzu oft darstellt.