Die Orchestertour im Rahmen des 20jährigen Jubiläums von Deine Lakaien dürfte für Alexander Veljanov sicher der Höhepunkt seiner Musikerkarriere gewesen sein. Nicht wenige Künstler fallen nach einem solchen Superlativ erstmal in ein kreatives Loch, doch davon kann bei der wohl charismatischsten Stimme Deutschlands keine Rede sein. Nur ein Jahr nach besagter Konzertreise präsentiert Veljanov sein inzwischen drittes Soloalbum "Porta Macedonia", auf dem er sich unerwartet zugänglich zeigt, ohne sich jedoch allzu sehr dem Mainstream anzubiedern. Keine Überraschung ist es jedenfalls, dass sich "Porta Macedonia" so stark von "The Sweet Life" unterscheidet, wie selbiges vom Debüt "Secrets Of The Silver Tongue". Wie der Albumtitel bereits andeutet, spielten Veljanovs Heimateinflüsse eine sehr große Rolle bei der Entstehung der Platte, und das merkt man ihr bisweilen auch recht deutlich an. So finden eine Vielzahl folkloristischer Instrumente ihre Verwendung in den Songs, was dem Album in Verbindung mit den elektronischen Elementen (die jedoch eine weitaus geringere Rolle spielen als bei Deine Lakaien) zu einem gleichermaßen modernen und exotischen Charme verhilft, der zu jeder Sekunde authentisch und persönlich wirkt. Ebenfalls einen hohen Stellenwert nimmt überraschenderweise die E-Gitarre ein, die noch dazu erstaunlich "dreckig" daherkommt, wodurch ein kontrastreiches und dennoch vollkommen homogenes Gesamtbild kreiert wird. In selbiges fügen sich auch rummelplatzartige Sounds gelegentlich ein, die die spielerische Leichtigkeit verdeutlichen, mit der Alexander Veljanov hier seine anspruchsvollen Stücke in Szene setzt. Der ironische Opener "Der Kongress" dürfte dabei den ungeübten Hörer erstmal vor Probleme stellen, doch bereits mit dem folgenden "Nie mehr", dem eingängigsten Stück der Platte, zeigt sich Veljanov von einer geradlinigeren Seite. Um "Porta Macedonia" im Folgenden Herr zu werden und es lieben zu lernen, bedarf es trotz aller oberflächlichen Schönheit jedoch viel Konzentration und Aufmerksamkeit, denn die Songs folgen oftmals einer unterschwelligen, aber umso intensiveren Dramaturgie. Besonders in den längeren Stücken wie dem verhaltenen "The New Order" oder dem beklemmenden "Dirt" offenbart sich die unglaubliche Kreativität und das songwriterische Talent des Deine Lakaien-Frontmanns. Als nicht weniger gelungen erweisen sich die melancholische Ballade "Mein Weg" und "Lilly B.", welches mit Elementen aus Chanson, Jazz und Jahrmarktatmosphäre wunderbar abgefahren und trotzdem souverän klingt. Anhand des erwähnten "Nie mehr" und der Single-Auskopplung "Königin aus Eis", das mit einem eingängigen Beat und Background-Vocals aufwartet, wird jedoch deutlich, dass es Veljanov zu heiß war, die experimentelle Schiene komplett durchzuziehen, und so kann man diese Nummern durchaus als Versuche sehen, auch den Nerv des Mainstream-Publikums zu treffen. Das macht diese beiden Songs nicht zwangsläufig schlecht, doch besonders "Königin aus Eis" will nicht so recht zum Rest der Platte passen. Für den hervorragenden Gesamteindruck ist dieser Umstand aber vollkommen unerheblich, denn Alexander Veljanov hat mit "Porta Macedonia" ein beeindruckendes Werk geschaffen, das beweist, dass er auch ohne die Zusammenarbeit mit Ernst Horn ein begnadeter Musiker ist. Ein deutliches Zeichen hierfür ist, dass trotz seiner unverwechselbaren Stimme die Parallelen zu Deine Lakaien nur äußerst dezent spürbar werden - "Porta Macedonia" ist zu 100% Alexander Veljanov.