Die hierzulande recht unbekannte US-Sängerin Beth Hart veröffentlichte mit "37 Days" ihr viertes Studioalbum in zwölf Jahren. In ihrer fast 20-jährigen Karriere als Musikerin hat sie schon einiges durchmachen müssen, allen voran ihre Drogensucht. Mit diesem Album, das (treffender Weise) in 37 Tagen entstanden ist, wollte Beth Hart diesmal eine positive Message rüberbringen, zeigen, dass sie nun zu sich selbst gefunden hat. Musikalisch und gesanglich erinnert ihre Musik an Rockladies der Marke Melissa Etheridge, Joan Osborne oder Amanda Marshall. Neben überwiegend neuen Songs finden sich auch ältere Stücke, beispielsweise ihr größter Erfolg "L.A. Song", auf diesem Album in einer neuen Fassung wieder, ebenso eine Coverversion des Allman Brothers-Songs "Soul Shine". Beth Hart schreibt den Großteil ihrer Songs selbst oder aber in Zusammenarbeit mit ihren Musikern, allen voran Gitarrist Jon Nichols. Das Spektrum erstreckt sich dabei über gefühlvolle Pianoballaden wie dem intensiven "At The Bottom" oder dem persönlichen "Jealousy", deckt aber auch wütende Rocker wie "Sick" oder "One-eyed Chicken", welcher gleichzeitig den stärksten Song auf dem Album darstellt, ab. In ihrem Heimatland ist Beth Hart eine etablierte Künstlerin, in Europa dürfte sie mit ihrem American-Roots-Rock nicht auf Anhieb die Gehörgänge der Hörer durchdringen. Ohne Zweifel verfügt sie über eine ausdrucksstarke Stimme, die den Vergleich mit den bereits erwähnten Sängerinnen keinesfalls scheuen muss. Auch ihre Mitmusiker liefern einen guten Job ab. So recht will der Funke beim ersten Hören aber nicht überspringen. Ob es nun daran liegt, dass Beth Hart auf jeglichen Kommerz und damit auf Eingängigkeit pfeift? Man benötigt schon mehrere Durchgänge, um die Klasse der einzelnen Songs zu erkennen. Aber diese Geduld wird belohnt mit authentischer und ehrlicher Musik, die nur entstehen kann, wenn man wirklich etwas zu erzählen hat. Und ohne den Druck, kommerziell erfolgreich sein oder irgend ein Klischee bedienen zu müssen, kann Beth Hart die Musik schreiben, die ihrer Vorstellung entspricht. "37 Days" bietet 16 moderne Folk-Blues-Rocksongs mit sehr persönlichen Texten, in die Beth Hart sehr viel Herzblut gesteckt hat. Bleibt zu hoffen, dass Beth Hart in einer Zeit, in der belanglose Musik gepusht wird, während die Künstler mit Persönlichkeit auf der Strecke bleiben, mit ihrer Musik den Erfolg verbuchen kann, den sie gebührend verdient.