Mehr Aggressivität, Geschwindigkeit und Blasphemie als je zuvor - das verspricht Bandmitglied Nergal vom neuen Live-Album der polnischen Blackmetal-Formation Behemoth. Die Grund-Message der Platte ist "Gegen Religion!". Es soll zum Ausdruck gebracht werden, dass Religion nicht der Schlüssel zum Glück ist. Dem zu Grunde liegt ein Werk, dass einen satten Querschnitt durch Death- und Blackmetal Gefilde liefert, wobei mehr auf der Death-Schiene gefahren wird. Das belegen auch die Titel-Ansagen zwischen den Songs, die eine typische Blackmetal-Misantropie vermissen lassen. Das soll kein Manko sein, denn diese Art von Ansagen vermittelt ein angenehmes Gefühl von Nähe zur Band. Was den Sound betrifft, klingt "Live Apostasy" mehr wie ein Studioalbum mit beigemischtem Publikum. Wir haben ja sicher alle schon Live-Alben gehört, die sich vornehmlich durch Rauschen im Hintergrund auszeichnen. Dieses Exemplar gehört aber eindeutig zu den Vorzeigebeispielen der Live-Kategorie; die Abmischung ist absolute Extraklasse. Schon beim zweiten Track ist klar: Okay, mit "mehr Geschwindigkeit" haben sie durchaus Recht behalten, die Jungs. Druckvoll und energiegeladen kommen Schlagzeug (man beachte die Tracks Nummer acht und neun), Riffs und Growls daher - aber auch epische Abschnitte wie beispielsweise in "Conquer All" stecken mit drin. Ebenso sind alte Bekannte wie "Demigod" oder "From The Pagan Vastlands" mit von der Partie, was die Platte für Fans zu einem echten Goldstück machen dürfte. Genre-Neulinge könnten sich allerdings mit "Live Apostasy" etwas überfordert fühlen - allein weil Klangerlebnis und Gehalt so überwältigend sind, dass die Unfähigkeit dies zu verarbeiten schnell zu Depressionen führt. Aber wer sich auskennt weiß das und weiß es auch zu schätzen, soviel ist sicher. Musikalisch und technisch überzeugen Behemoth mit "Live Apostasy", auch wenn die Platte einen Hauch zu gewaltig erscheint.