Der goldene Schnitt ist mathematisch ein Verhältnis zweier Zahlen oder Größen und wird in der Kunst oft als ideale Proportion und als Inbegriff von Ästhetik und Harmonie angesehen. Diese Erkenntnis ist tausende Jahre alt und da der goldene Schnitt in jeder Form erscheinen kann, wurde dies als "göttliche Teilung" angesehen. In der Musik wird der goldene Schnitt selten angewendet und tritt mit den Schwingungsverhältnissen von Tönen auf, aber darum wird es der Sludgeband Unhold nicht gegangen sein, als sie ihr Album "Golden Cut" betitelten. Es geht viel mehr um das Verhältnis aus ruhigen Momenten und harten Gitarrenriffs, die träumerisch vor sich hin plätschern und stampfende Sludgezüge annehmen. Dadurch, dass der Songaufbau komplexer ist als das Strophe-Refrain-Muster, wie es zum Teil auf dem Vorgängeralbum vorhanden war, entstehen progressive Songs, die epische Züge annehmen können und meistens von einer brüllenden Stimme oder mit dem Wechsel von Frauen- und Männergesang unterstrichen werden ("Zeroend"). Der erste Song "Big Slice" erweckt mit schnellem Takt den Eindruck, als hätte Sänger Phillip das Bedürfnis, sich aus der vierjährigen Pause frei zu singen, denn mit kryptischen Sätzen, die einen Hang zum Psychedelischen haben, bringt er die Einzigartigkeit von Unhold zur Geltung. Im darauffolgenden Song kommt die bekannte Dampfwalze ins Rollen und nähert sich dem Hörer mit stampfenden Gitarrenriffs und progressiven Songstrukturen. Der Gesang wird verkürzt, als wären sich Unhold des Überdrusses des ersten Songs bewusst. Nach einem Drittel des Albums werden die Intros länger und die Songs nehmen die progressive Züge an, die in den ersten Liedern bereits angedeutet wurden Ganz klar lässt das Album erkennen, dass es eine Weiterentwicklung von Unhold gegeben hat. Die Band hat sich Gedanken über eine tiefere Struktur gemacht, die sich nicht nur im Songaufbau widerspiegelt, sondern sich über das Album zieht. Somit kann "Golden Cut" im Licht als Kunstwerk betrachtet werden, welches die Ästhetik von hartem Sludge und weichen Melodien in ein optimales Verhältnis setzt.