In AOR-Insider-Kreisen gelten Balance beinahe als Legende. Anders als ihre Kollegen verkauften sie in den 80ern aber nicht Millionen von Platten. Die Band hatte zwar ansich alles, um mit Toto, Journey, Loverboy oder Survivor mitzuhalten, aber leider nicht so viele Hits und keine zeitlosen Klassiker (außer 'Breaking Away'). Umso überraschender ist diese Rückkehr nach 27 Jahren mit den Original-Mitgliedern Peppy Castro, Bob Kulick und Doug Katsaros! Schon der Opener 'Twist Of Faith' zeigt Balance erneut in bestechender Form. Das schier unendliche Outro-Solo ist eine begeisternde Zurschaustellung absoluter Spielfreude von Kultgitarrist Bob Kulick. Allerdings fällt sofort negativ auf, dass die Produktion etwas dumpf klingt. Den Spaß an der Musik trübt das nur minimal, wenn Doug Katsaros die 80er mit derart unverblümten Synthesizer-Klängen ('Breathe', 'Old Friends') aufleben lässt. Seine Keyboard-Soli bei 'What You've Done' setzen dem ganzen die Krone auf. Das härtere 'Liar' geht auch gut ab. Peppy Castros gute Stimme hat sich übrigens in keinster Weise verändert. Und Kult-Gitarrist Bob Kulick jagt dem geneigten Hörer immer wieder ein Spitzensolo durch die Ohren. Melodisch, fast schon poplastig, aber meistens komplexer und länger als bei durchschnittlichen Radionummern. Zwar gehen Balance etwas heftiger zu Werk als damals, trotzdem sind die Parallelen zum geheimen Klassiker 'In For The Count' unüberhörbar, etwa bei 'Who You Gonna Love'. Ein paar langweilige Tracks sind auch dabei, z.B. 'Winner Takes All', 'Crazy Little Suzie'. Vom Allerfeinsten ist dagegen das stimmungsgeladene 'Forever' mit (wieder mal) genialem Kulick-Solo! Wie eingangs erwähnt, enttäuscht der Sound. Dass Balance genauso klingen wie in den 80ern, ist ja klasse. Dass die CD aber klingt wie eine alte Kassette, ist blöd. Gitarrist und Produzent Bob, der ewige Kiss-Background-Mann und Bruder das langjährigen Kiss-Gitarristen Bruce Kulick, hatte in den letzten Jahren vor allem mit selbstproduzierten, hochkarätig besetzten Tribute-Alben die Hardrock- und Metal-Fans verzückt. Da war der Sound besser. Ansonsten leidet 'Equilibrium' darunter, dass es wie die frühen Balance-Werke oft nur durchschnittlich oder zu einseitig ist. Ungeachtet dieser Abstriche ist es ein nettes AOR-Album, das Spaß macht. Journey spielen nach wie vor in einer Liga für sich, aber mit den letzten Toto-Alben kann 'Equilibrium' locker mithalten. Die Rückkehr von Balance kann man daher als gelungen bezeichnen.