Seit 1995 halten Wolf aus Örebro in Schweden die Flagge des echten Stahls stolz in den Wind moderner Trends. Mit Ihrer Attitüde kommen Sie ihren Landsmännern von HammerFall damit sehr nahe, auch wenn der Manowar-Klischee-Faktor bei Wolf nicht ganz so extrem ausgeprägt ist wie bei den Chartstürmern aus Stockholm. Und damit ist auch der nächste Unterschied schon angedeutet - denn während HammerFall insbesondere in Deutschland einen beeindruckenden kommerziellen Erfolg vorweisen können, sind Wolf nach wie vor eher nur den Experten bekannt. Und dass, obwohl sie dieser Tage mit 'Ravenous' mal wieder ein Album vorlegen, dass der Anhängerschaft des unverfälschten Schwermetalls die Lederhosen zu eng im Schritt werden lassen sollte. Produziert von Roy Z (Bruce Dickinson, Halford, Judas Priest) bieten Wolf auf 'Ravenous' 11 Heavy Metal-Nummern, die ziemlich genau nach NWOBHM meets Mercyul Fate klingen. Wer bei dieser Beschreibung ein Kribbeln bekommt, kann bei 'Ravenous' bedenkenlos zuschlagen - wer bei den gleichen Worten Brechreiz spürt sollte einen weiten Bogen um diese Veröffentlichung machen. Nachdem die Zielgruppe klar definiert ist, kann man sich den Songs selbst zuwenden. Die sind auf 'Ravenous' allesamt auf ansprechendem Niveau, bieten ab und zu Ohrwurm-Qualitäten ('Voodoo'), bewegen sich fast immer im Kopfschüttel-geeignetem Midtempo, zitieren hier frühe Iron Maiden ('Speed On'), da Dio-Ära Black Sabbath ('Secrets We Keep'). Beim abschließenden 'Blood Angel' geht es dann auch mal ein bisschen progressiv-entspannt zu. Die deutschen Metal-Urgesteine von Accept dürfen als Blaupause freilich auch nicht fehlen und schimmern in fast jedem Song durch. Die Produktion von Roy Z, der es manchmal auch etwas moderner mag ('Chemical Wedding' von Bruce Dickinson) verpackt das Ganze standesgemäß in einen transparenten, warmen Sound, der den Oldschool-Charakter des Songmaterials perfekt ergänzt und dennoch ordentliche Heavyness erzeugt. Somit ist 'Ravenous' ein gutes Album geworden, das mit einigen Highlights wie 'Curse You Salem' (hier regieren die Mercyful Fate-Gitarren) und insgesamt guten Songs richtiges Kraftfutter für die Truemetal-Fraktion geworden ist, denen die Led Zeppelin-Reunion am Arsch vorbei ging, weil es eben nicht Accept waren. Wer seinen Metal moderner, bösartiger oder einfach abwegiger bevorzugt... tja, der wird wohl kaum bis hierhin gelesen haben.