Was kann man von Musikstudenten erwarten, wenn sie eine Band gründen? Sicherlich nichts konventionelles. Die schlimmsten Befürchtungen, etwa eine stockhausensche Soundtüftelei, werden hier nicht bestätigt. In Anbetracht des Bandnamens scheint aber zumindest ein wenig der Größenwahn des Neue Musik-Pioneers auf Scale The Summit abgefärbt zu haben. Wie bereits erwähnt handelt es sich bei der Band um vier Musikstudenten aus Los Angeles bzw. Houston. 'Carving Desert Canyons' ist dabei das zweite Album nach einem selbstproduzierten Debüt. Ihr offensichtlichster Unterschied zu anderen Bands sind wohl die Instrumente der Saitenfraktion: 6-Saiter Bass, 7-Saiter Gitarre und 8-Saiter Gitarre. Die potentielle Spannweite des klanglichen Spektrums dürfte damit klar sein. Genau äußerst sich das dann in acht instrumentalen Songs irgendwo zwischen dem ersten Album von Russian Circles, Don Caballero, Cynic und Dream Theater: Schier endloses Geriffe und Soli, im Gegensatz zu vielen der Kollegen jedoch mit einem auffallend fröhlichem Gesamtsound. So könnte mancher Gitarrenausflug irgendwie auch von Carlos Santana stammen, ohne die lateinamerikanischen Rythmen, versteht sich. Ausflüge sind denn auch ein gutes Stichwort, Scale The Summit bezeichnen ihren Stil nämlich selbst als Adventure Metal. Freunde dudelnder Klampfen, Luftgitarrenweltmeister und Menschen mit musikalischerVorliebe für technische Versiertheit werden hier vollends auf ihre Kosten kommen. Mitunter können die vollen 40 Minuten allerdings dann doch ein wenig werden, wenn zwischen den markanten Parts langwierige Übergänge eingeflochten werden. Auch wirkt 'Carving Desert Canyons' nicht in letzter Kosequenz zwingend. Es ist zweifellos gut, und doch kommt das Gefühl auf, dass noch etwas fehlt. Mit ihren 22 Lenzen im Schnitt sollten die Jungs jedoch noch genug Zeit haben ihrem Perfektionismus zu folgen.
Phrasing is the difference between playing notes and making music...sagte mal ein großer Jazz-Gitarrist