Wenn eine Crossover Band plötzlich die Stromzufuhr kappt und akustisch daher kommt, mag sich der ein oder andere fragen, ob das wohl gut geht. Im Falle der Blurrd Minds aus Ausgburg ist diese Sorge in jedem Fall völlig unbegründet. Sind die fünf auf der Bühne ziemlich laut und energiegeladen unterwegs, ist ihnen mit 'Unplugged - Blurrd Minds Live At Abraxas Theatre' wirklich eine Perle unter den Akustikalben gelungen. Besetzungstechnisch pflegen die Jungs die klassische Crossover-Formation: Kareem Weth kümmert sich an der Front um die Rap-Parts, Matthias Huber haut in die Saiten und singt, Benedict Mössinger kommt ebenfalls mit der Gitarre daher, Johannes Beck zupft den Bass, Bernhard Sassmann bearbeitet die Felle und verstärkt den Gesang und last but not least steht Nick Schönfelder an den Plattentellern und steuert ebenfalls Vocals bei. Man ahnt bereits, dass hier soundtechnisch einiges geboten wird. Dass die Jungs fähige Musiker sind, beweisen sie mit der gekonnten Umsetzung ihrer Crossover Stücke in Unplugged Versionen. Die Musik büßt nichts von ihrer Energie ein - wenn diese auch völlig anders transportiert wird. Der Sound ist trotz seines Drives entspannt, vermittelt ein Gefühl von Sommer und läßt einen schon mal ans Lagerfeuer abdriften. Gleichzeitig kommen die Arrangements mal jazzig, mal funky, mal groovy, mal alles in einem daher. 'Ego Up', in der Crossover-Version ein Moshpit-Garant, geht auch akustisch in die Beine und läßt selbst den hartnäckigsten Nichttänzer zumindest mit dem Fuß wippen. Und in 'Green Light' lernt der geneigte Zuhörer, nicht immer so verbissen durchs Leben zu stiefeln, denn merke: 'A day with flow isn't hard to get'. Insgesamt schaffen es die acht Songs jeder für sich, ein gutes Gefühl zu hinterlassen, selbst bei inhaltlich schwerer Kost wie in 'Baby Don't Cry'. Einziger Ausreisser auf dem Album ist 'Awake', das sehr düster, fast depressiv daher kommt und in der ersten Hälfte nur aus mehrstimmigem Gesang, begleitet von einer Gitarre, besteht. Dies steht in starkem Kontrast zum Rest des Albums, in dem die Gesangsparts im Refrain oder im Background stattfinden und ansonsten der Rap den Vorrang hat. Komplettiert wird die ganze Geschichte durch die DVD, die das gesamte Konzert sowie Bildmaterial und die Setlist enthält. Die Wohnzimmeratmosphäre im Abraxas Theater ist so gut eingefangen, dass man meint, man ist mittendrin statt nur vor dem Fernseher - denn der Funke springt. Für alle Bastelfreunde hat das Cover noch ein besonderes Gimmick parat: schnöde CD-Hülle kann ja jeder, daher wurde fleißig gefaltet und gestanzt und das gesamte Pappcover inklusive Inhalt in der Mitte mittels einer Sechskantschraube mit Mutter fixiert. Fast wie bei McGyver. Mit 'Unplugged - Blurrd Minds Live At Abraxas Theatre' haben die fünf bewiesen, dass sie eine Menge auf dem Kasten haben und musikalisch flexibel sind. Wenn sie ein Stück weiter in diese Richtung gehen, klappts mit Sicherheit auch noch mit dem Plattendeal. Zu wünschen wäre es ihnen in jedem Fall, denn nur selten hat man innerhalb einer Band so viele individuell-kreative Köpfe versammelt.