Brutal Truth sind wieder da. Nachdem die Band zwei Jahre durch die Welt tourte, um die Reexistenz auch physisch zu beweisen, veröffentlicht diese nun ihr neues Album. Im Gegensatz zu anderen wiedervereinigten Gruppen führen die New Yorker ihren Sound nicht nur fort, sondern gehen wie gewohnt weiter. Neben dem stumpfen Grind-Geballer beinhalteten schon die in den neunziger Jahren erschienenen Platten avantgardistische Strukturen, die für den Grindcore untypisch und für viele Bands stilprägend waren, denn Brutal Truth rissen zu gerne bestehende Verhältnisse ein und orientierten sich gleichzeitig an der zeitgenössischen, musikalischen Kunst, zum Beispiel an der von John Cage. Ganz so modern geht es auf 'Evolution Through Revolution' nicht zu, jedoch haben sich Brutal Truth mit Erik Burke einen neuen Gitarristen in die Band geholt, der mit seinen Gitarrenriffs die Abstraktheit des Sounds verstärkt. Somit entstehen gleich im ersten Song Grindwellen, die durch in regelmäßigen Abständen eintretender Pausen in die Ohren schallen. Im Kontrast stehen schleppende Songs, welche sich sphärisch entfalten und mit Free-Jazz-Elementen den Grad der Komplexität verdeutlichen, den Brutal Truth über die Jahre nicht abgelegt haben. Dazu wie immer die tiefe, brüllende Stimme von Sänger Kevin Sharp, der mit seinen Texten das lyrische Chaos manifestiert und sich in den meisten Songs gewohnt politisch über die Regierung der USA auslässt, wobei hier von Grindcore und nicht von Politologie gesprochen wird. Mit 'Bob Dylan Wrote Propaganda Songs' hat sich die Band ein Zuckerstück bis zum Schluss aufgehoben, denn die Interpretation des Minutemen-Songs stellt einen der wenigen Songs dar, die ein Strophe-Refrain-Schema beinhalten und die Band ungewöhnlich melodisch zeigen. Somit outen Brutal Truth mal wieder ihre Wurzeln, die nicht im einfachen Punkrock, sondern im Crossover verschiedener Musikstile vom Punk selber liegen. 'Evolution Through Revolution': Ein gelungenes Album für einen Neustart!