Beth Ditto dürfte inzwischen deutlich mehr Menschen ein Begriff sein, wurde sie doch vor knapp einem Jahr von Karl Lagerfeld persönlich zu seiner neuen Muse ernannt und symbolisiert damit die Gegenbewegung zum Schlankheitswahn der Modebrange. Nicht gerade schlank ist auch der Klang ihrer einzigartigen Stimme. Mit einer großen Portion Selbstbewusstsein ist Frau Ditto inzwischen auch für ihre Stripeinlagen bei Konzerten Ihrer Band Gossip berüchtigt. Diese hat seit dem letzten Album vor Drei Jahren kein Stück an Originalität verloren. Mit ihrer prägnanten Mischung aus Indie, Pop, Funk und einem eigenwilligen Trash-Einschlag, setzen sie mit ihrem vierten Album dort an, wo sie mit ´Standing in the Way of Control´aufhörten, bevor die Drei fleißig durch die Welt reisten und ebenso originelle Fans für sich gewannen. ´Music For Men´ ist ein herrlich ironischer Albumtitel, für eine Band mit zwei bekennenden Feministinnen. Zierte beim letzten Album noch die ausgewachsene Achselbehaarung der beleibten Sängerin das Cover, ist es diesmal die Rockabilly-Tolle von Schlagzeugerin Hannah, was dazu führt, dass man sie erst auf den zweiten Blick als Frau erkennt. Lagerfeld hat auch hier seine Spuren hinterlassen und den Look der Band geprägt, der allerdings so schräg ist, dass es schon wieder sympathisch ist. Auch Musikalisch schreckt die Band vor Nichts zurück, so erklingen in ´Four Letter Word´ tatsächlich Keyboardeffekte, von denen man glaubte sie wären mit den 80ern zusammen begraben worden. Dennoch wurden sie so gut kombiniert mit dem neuen Sound des gegenwärtigen 80er-Revivals, dass man sich auch damit abfindet. Gossip haben sich zum Glück nicht versucht neu zu erfinden. Wer schon die erste Single ´Heavy Cross´ gehört hat, wird sich an ´Standing in the Way of Control´ erinnert fühlen. Sie haben es wieder geschafft einen Ohrwurm zu schreiben, der in die Beine geht. Dynamisch, steigernd und explosiv. Ein weiteres Highlight der Platte ziert den Schluss. ´2012´ ist eine treibende Adaption von dem Kiss-Hit ´I Was Made for Loving You Baby´, nur dass die Antwort ´My heart will never beat again baby/ have you got the best of me´ lautet. Insgesamt ist die Platte etwas ruhiger ausgefallen als der Vorgänger. Das heißt nicht, dass sie gespickt mit Balladen ist, sondern dass es im Ganzen rhythmischer zugeht und nicht jeder Song auf Hit komm raus glatt gebügelt wurde. Ein Sound, der nicht das erfüllt, was man unter ´Music For Men´ erwartet hätte, aber dafür mit mehr Ecken und Kanten als die weiblichen Rundungen der letzten Platte. Ein Album das dem Charakter der Band treu geblieben ist und dennoch eine andere Facette der Band zeigt.