Frühjahr 2005 – drei Jungs und ein Mädel aus dem Rhein-Main-Gebiet packen ihre Instrumente, schmeißen ihr musikalisches Können in einen Schmelztiegel und daraus wurde nach Entfernen der Schlacke (Keyboards) Stealing The Bride, eine Gruppe, die sich im härteren Rockbereich mit deutlichem Gothic-Einschlag bewegt. Vier Jahre nach den ersten Auftritten sind die künstlerischen Ergüsse auch auf dem Debütalbum "Roommates" zu hören. Das Stealing The Bride durchaus eine Band mit Anspruch ist, merkt man schon am Mut, nicht mit einem derben Brett einzusteigen, sondern mit dem melodischen, leicht angezerrten Gitarrenpattern von 'The Desert Inside'. Kurz wird's riffig, bevor sich Patricia Wosnitzkas glasklare Stimme über die zurückhaltende, gestoppte Gitarre Uli Paulus' erhebt. Im Refrain zeigen die Mainzer dann ihre Gothic Rock- und damit ihre Schokoladenseite. Die kann sich wirklich hören lassen. Wer nun immer noch sein Brett zum Einstieg vermisst, bekommt es mit der Nummer zwei 'Agravic Grooves' frei Haus geliefert und wird auch im folgenden nicht enttäuscht. Immer wieder toben sich die Rheinland-Pfälzer auch experimentell aus: 'La Mala Vida' steht zunächst im 3/4-Takt geschrieben, umweht von einem Hauch von Jazz wird später der Takt symmetrisch, Tieftöner Alexander Schmitt spielt Walking Bass und Patricia singt auf spanisch. Die Aussprache lässt allerdings doch sehr zu wünschen und macht das bisschen Latin-Rock-Feeling gänzlich zunichte. Mehr progressive Elemente gibt's auch bei 'Invaders'. Doch da sitzen die Gitarrensechzehntel nicht ganz sauber und kommen leicht versetzt zu Robert Schremmls Schlagzeugvirtuositäten – was lernen wir daraus? Gute Idee, mehr üben! Davon abgesehen bieten die Brautdiebe aber noch eine ganze Menge mehr gute und hervorragend umgesetzte Ideen. Da juckt auch schon mal die Nackenmuskulatur und will ihren Bewegungsdrang ausleben. Insgesamt hätte die Produktion etwas mehr Liebe erfahren dürfen. Der Garagensound klingt zwar sehr natürlich, ein bisschen mehr Wumms angesichts des Genretypischen dürfte, auch wenn es sich um eine Eigenproduktion handelt, schon drin sein.