Nichts transportiert das Flair vergangener Zeiten so gut, wie Musik es tut. Diese althergebrachten Töne und Geschichten finden in so gut wie jeder Altersklasse und musikalischen Peergroup immer mehr Begeisterte. Egal ob sie Punk, Gothic, Blues oder Pop hören, irgendwann kommt der Punkt, da bleiben sie alle bei handgemachtem Folk hängen und verweilen einen Moment. Das sich dieses Verweilen lohnt, beweist die Folkgruppe Brillig mit ihrem vierten Longplayer 'The Red Coats' eindrucksvoll. Die zwölf Tracks, die die vier Australier da zusammengeschustert haben, transportieren zwölf wunderschöne, melancholisch-tragische Geschichten, die gehört werden wollen. Mit minimaler Instrumentierung, mit Banjo, Gitarre, Schlagzeug und Bass wird hier maximaler Effekt erzeugt. Dazu singen Matt Swayne und Elisabeth Reid entweder einzeln, im Wechsel oder zusammen. Selten haben sich zwei zudem hervorragende Stimmen so gut ergänzt. Selten war ein Album auch so gemütlich, eine richtig Uptempo-Nummer fehlt gänzlich. Die vermisst man aber allerhöchstens tagsüber, des Nachts wecken die Australier eher den Durst nach Dunkelbier, Cider, Whiskey oder der grünen Fee, die in 'Absinthe Makes The Heart Grow Fonder' beschrieben wird. Ein Hörerlebnis will eben auch entsprechend begleitet werden. Zu den weiteren Highlights gehören sicher auch der musikalische Toast auf 'The Old Captain', sowie 'Springtime In Kyoto', das auch eine typisch japanische Melodiefigur auf einem Banjo gespielt aufgreift. War das schon alles? Sicher nicht. 'The Red Coats' lädt wie gesagt zum Zuhören ein, da finden sich noch eine Menge Kleinigkeiten, und die machen den Hörgenuss bekanntlich erst aus.