Die Geburt eines ganzen Genres als Kolateralschaden einer Frauengeschichte; manchmal sind die Dinge tatsächlich SO einfach. Irgendwann 1992 begab es sich, dass der Sänger einer zweitklassigen britischen Combo so scharf auf die Freundin des Frontmannes des angesagtesten neuen UK-Actes war, dass er kurzerhand beschloss, diesem Frau und Krone wegzunehmen, seine Musik umkrempelte und sich urplötzlich im Ring mit einem mancunischen Brüderpaar wieder fand. Am Ende hatte er zwar Frau und Band verloren, war dafür aber zum ernstzunehmenden Musiker mutiert. Und wenn sie nicht gestorben sind, dann… reformieren sie sich und veröffentlichen bereits die zweite Blur Compilation! Wobei man fairerweise zugeben muss, dass 'Midlife A Beginners Guide To', die bessere Zusammenstellung ist, was schlicht und ergreifend daran liegt, dass sie den Fokus auf die 'wahren' Blur legt, das unsägliche 'Country House' außen vor lässt und die mainstreamige Sackgasse 'The Great Escape' mit nur drei Stücken kurz anschneidet. Dafür gibt es jeweils vier Auszüge aus den Meisterwerken 'Modern Life Is Rubbish'(welches auf 'The Best Of' noch schändlich übersehen wurde), 'Parklife', 'Blur' und '13', drei vom Graham Coxon-losen Schwanengesang 'Think Tank', sowie zwei vom Debüt 'Leisure'. Oh... und erstmals auch den Moment, an dem Blur zu Blur wurden; die 1992er 'Popscene'- Single, die es damals weder auf 'Modern Life Is Rubbish' noch auf 'The Best Of' schaffte und so langsam - völlig zu Unrecht - in der Obskurität zu versinken drohte. Wie ihr 2000er Vorgänger verläuft auch diese Zusammenstellung nicht chronologisch und bringt durch unkonventionelle Paarungen immer wieder überraschende Erkenntnisse, wie gut etwa die erste Single 'She's So High' zu dem eine knappe Dekade jüngeren 'Tender' passt oder wie perfekt das hoffnungsvolle 'The Universal' das Post-Brit-Pop-Hangover namens 'Death Of A Party' abfedern kann. Schade allerdings, dass man nicht noch ein paar B-Seiten aus der Versenkung holte, was dann tatsächlich sehr interessant und eine große Herausforderung geworden wäre. Weiteres ganz großes Manko: Die Aufmachung, anstatt die Stücke von der Band kommentieren zu lassen oder ein Essay über knapp zwanzig Jahre Blur abzuliefern, gibt es lediglich eine dünne Timeline so dass sich letztendlich die Frage stellt, auf welches Publikum diese Doppel-CD zielt. Wer sich für die Band interessiert, besorge sich als Einstieg lieber 'Modern Life...', 'Parklife', 'Blur' und '13'. Der Rest… kann ebensogut irgendwelche 'Cool Britannia'-Compilations der Marke 'Live Forever' anhören.