Dass 'The Eternal Cowboy' ein großartiges Album ist, weiß man ja. Was anderes könnten also die dazugehörigen Demos sein? Insofern ist es für Fat Mike und seine Mitstreiter bei Fat Wreck Chords eine sichere Nummer, genau diese jetzt zu veröffentlichen. Und das, trotzdem Against Me! das Indie-Label schon vor Jahren verlassen haben und zum Major abgewandert sind. Die Band war mit genau diesem, ihrem zweiten Album anno 2003 in die Fat Wreck-Familie aufgenommen worden und hatte unmittelbar vor der eigentlichen Produktion eine Demoversion aufgenommen, um Produzent Rob McGregor, der im Übrigen auch schon 2002 für ihren Erstling 'Reinventing Axl Rose' verantwortlich war, die Arbeit zu erleichtern. Trotz personeller Kontinuität und zeitlicher Nähe fungiert 'The Original Cowboy' nur bedingt als Bindeglied zwischen Album Nummer eins und Album Nummer zwei. Der akkustisch-gepägte Kreisch-Folk des Erstlings ist bereits in den Demos zum Nachfolger nicht mehr auszumachen. Genau das war aber das Anliegen der Band, die sich selbst einen neuen, weiterentwickelten Sound verpassen wollte. Und die Originale, die es von allen Albumsongs bis auf 'Sink, Florida, Sink' jetzt zu hören gibt, machen vor allem eins deutlich: dass es nämlich McGregor bestens gelungen ist, die Vorstellungen der vier Musiker umzusetzen. 'Mutinity On The Electronic Bay' oder 'Slurring The Rhythms' klingen in ihrer Rohform schon fast wie die endgültigen Fassungen, und 'Cavalier Eternal' wurde ja bekanntlich auf ausdrücklichen Wunsch von Fat Mike gänzlich unverändert übernommen. Des Produzenten kunstfertige Arbeit lässt sich schon deutlicher bei 'Rice And Bread' erkennen, das erkennbar mehr Druck bekommen hat, und aus dem Instrumentalstück 'A Brief And Yet Triumphant Introduction' (ürsprünglich noch als 'Einführung', in abgemixter Albumversion dann als 'Unterbrechung') hat McGregor noch einiges rausgeholt und ihm wesentlich mehr Drive verpasst. Die einzige Überraschung auf 'The Original Cowboy' ist, dass 'Unsabstantiated Rumors' zunächst als ebenso schnelle Punkruck-Nummer gedacht war, wie die meisten Songs des Studioalbums. Dass McGregor eine Akkustikversion daraus gemacht hat, zeugt von seinem ausgeprägten Produzenten-Talent, stellt der Song doch in seiner Endversion auf 'The Eternal Cowboy' einen gelungenen ruhigen Gegenpart zu all den Krachern dar. Weil die Demos in nur wenigen Stunden runterschrubbt wurden, wirken sie roher, stringent und sehr ehrlich. Und auch wenn Gabels Stimme hier und da wackelt, ist es doch die Authentizität, die besticht, das Proberaum-Feeling fast 1:1 rüberbringt und so eine größtmögliche Nähe zur Band aufbaut. In Anbetracht der Tatsache, dass sich Against Me! bei ihrem jetzigen Vertragspartner Warner pudelwohl zu fühlen scheinen und zwar weiterhin gute Musik abliefern, die aber nunmehr in Hochglanzverpackung und makellosem Sound daherkommt (siehe 'New Wave'), ist 'The Original Cowboy' sehr wahrscheinlich die letzte Gelegenheit, die Band in ihrer reinsten, rauhesten und ehrlichsten Form von Platte zu erleben. Nicht für den Erstzugang zu Against Me! und ihrem Schaffen geeignet, aber ein großes Geschenk an die Fans.