Von den drei Marillion-Live-Alben, die in diesen Tagen erscheinen, war nur eins auch ursprünglich als solches gedacht: 'The Thieving Magpie (La Gazza Ladra)'. Im Jahr 1988 erschien zum ersten Mal 'Die diebische Elster', die natürlich nach der Rossini-Oper benannt wurde, deren Ouvertüre immer als Show-Intro zu hören war. Das erste Live-Album sollte leider auch das letzte in dieser Besetzung werden, da Derek William Dick alias Fish die Band anschließend verließ. Die Doppel-CD wirkt zwar wie aus einem Guss, ist aber eine Compilation aus Live-Tracks, die über die gesamten, massiv erfolgreichen sieben Fish-Jahre aufgezeichnet wurden. (Deshalb wird auch ab und an ein- und ausgeblendet, was nicht weiter stört.) Entsprechend bietet sie eine bunte Auswahl aus dem vielseitigen Marillion-Werk. Mit dem traurigen 'Chelsea Monday', dem mitreißenden 'Freaks', dem melancholischen 'Script For A Jester's Tear' und dem Party-Kracher 'Incommunicado' werden alle Facetten beleuchtet. Die zweite CD von 'The Thieving Magpie' enthält eine komplette Live-Performance von 'Misplaced Childhood' in Original-Reihenfolge, das sicher das populärste, aber nicht unbedingt das beste Album von Marillion ist. Mit 'Kayleigh', 'Lavender' und 'Heart Of Lothian' hatte es natürlich das größte Hit-Potenzial. Die Songs sind wesentlich kürzer als die Frühwerke. Wer hier das 19minütige 'Grendel' oder Publikumslieblinge wie 'Garden Party' und 'Market Square Heroes' vermisst, dem seien die parallel erscheinenden Live-Alben als beinahe perfekte Ergänzung empfohlen. Es gibt erstaunlich wenige Überschneidungen zwischen den drei Doppel-CDs. Man soll sich verabschieden, wenn es am schönsten ist. Zumindest in dieser Hinsicht war es konsequent, dass Fish damals ging. Denn besser als das, was auf 'The Thieving Magpie' geboten wird, kann es eigentlich nicht mehr werden. Die Doppel-CD ist ein großartiges Live-Album, dass über die gesamten (fast) 2 Stunden begeistert. Und remastert klingt es noch mal deutlich besser als die alte CD-Version. Damit sind die Marillion-Remasters von EMI in Bezug auf die Fish-Ära komplett.