Das Phänomen Trouble: Erst nehmen sie in nahezu kompletter Original-Besetzung endlich wieder ein Album auf ('Simple Mind Condition') und gehen damit auf Tour. Plötzlich steigt von einem auf den anderen Tag Frontmann Eric Wagner aus. Schlagzeuger Jeff Olson folgt wenig später. Kory Clarke wird neuer Sänger, kurze Zeit darauf erscheint ein Unplugged-Album, allerdings noch mit Eric Wagner, und zum Teil gar nicht unplugged. Doch jetzt kommt Klarheit rein: 'Live In Los Angeles' zeigt endlich die mit Spannung erwartete neue Besetzung. Genial: Nach kurzem Intro donnert 'RIP' in grandiosem Sound hernieder. 'The Sleeper' bringt die Party zum Kochen. Und Kory? Der neue Sänger (von Warrior Soul gekommen) röhrt, was das Zeug hält. Hier ist kein Frontmann am Werk, der seinen Vorgänger imitieren will, das kann er auch gar nicht. Er verpasst Trouble einen völlig neuen Sound. Der psychedlisch-gnartschige Nasal-Gesang Wagners ist einem rauchig-verkommenen Gekrächze gewichen, das perfekt zu den Doom-Klängen der Band passt. Die Soundwand überkommt die Gehörgänge, wie einst der schleimige Blob im gleichnamigen Filmklassiker die Städt überzog. Es gibt kein Entrinnen! Hier kracht alles: Sei es das brachiale 'Touch The Sky', das vorab schon im Internet zu hören war, oder der Titelsong des neuen Albums, wie Kory 'Simple Mind Condition' bezeichnet, als wäre er schon länger ein Mitglied dieser Band gewesen. Im Gegensatz zu den 'Ersatzfrontmännern' vieler anderer Bands drückt Kory Clarke Trouble seinen ganz eigenen Stempel auf. Das gefällt nicht jedem, auf den großen Videoportalen finden sich viele Kritiker. Die müssten dann wohl konsequent sein und Trouble von jetzt an nicht mehr verfolgen. Oder sie führen sich das großartig-klingende Live-Album aus der Stadt der Engel erneut zu Gemüt und stellen fest, dass 'Plastic Green Head' und 'End Of My Daze' (eigenlich ein typischer Wagner-Song) in neuem Gewand noch mal mindestens genau so gut klingen. Sicherlich werden Trouble damit auch wieder ein paar Fans dazu gewinnen. Die Vorfreude auf das neue Studio-Album, das offenbar bereits in Arbeit ist, steigt dank 'Live In Los Angeles' jedenfalls in ungeahnte Höhen. Noch mehr aber die Freude auf die anstehende Deutschland-Tournee im Herbst. Hoffentlich werden Trouble dann länger spielen, denn das ist leider ein schmerzhafter Kritikpunkt der neuen Live-Scheibe: Die Laufzeit von 45 Minuten grenzt an Frechheit.