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Behemoth - kaum eine Band im (wirklich) extremen Metal hat in den letzten Jahren so viel Aufmerksamkeit auf sich gezogen wie die Jungs aus Gdansk. Für die einen die treibende Kraft im zeitgenössischen Black und Death Metal, für die anderen ein überschätzter, auf Äußerlichkeiten fixierter Budenzauber. Für Fans ein authentischer Ausdruck einer tiefschürfenden Beschäftigung mit den Geheimnissen von Mystik, Satanismus und Okkultismus, für Spötter eine kalkulierte Erfolgsmaschine. Entscheiden muss das letztlich jeder Hörer für sich selbst. Einige Dinge können jedoch nur sehr schwerlich bestritten werden: dass Behemoth-Kopf Nergal ein ernsthaftes, alles andere als oberflächliches Interesse an den Themen hat, die er mit seiner Band musikalisch, textlich und visuell verarbeitet; und dass Behemoth mit ihren Alben bislang immer Qualität abgeliefert haben. Das neueste Werk 'Evangelion' bildet da keine Ausnahme.
Von Colin Richardson (u.a. Fear Factory, Machine Head, Sepultura, Slipknot) angenehm transparent und raumgreifend abgemischt, ist 'Evangelion' ein Album geworden, dass Fans der Vorgänger 'Demigod' und 'The Apostasy' ohne Umwege zusagen wird - und das waren nicht wenige. Die neue Scheibe verfügt - das wird schon nach der ersten Riff-Attacke des Openers 'Daimonos' deutlich - über die gleiche epische Wucht wie ihre Vorläufer. Kaum eine andere Band (außer natürlich die grandiosen Nile) versteht es so eindrucksvoll, brachiale Gewalt mit symphonischer Opulenz und schwarzer Gothic-Atmosphäre zu vereinen. Eben dies gelingt Behemoth auf 'Evangelion' vielleicht sogar noch ein klein bisschen besser als auf 'The Apostasy', was an den prominenter auftretenden Black Metal-Zutaten liegen kann. Die freilich führen keineswegs zurück zu 'Satanica'- oder gar 'Grom'-Zeiten, erzeugen mit ihren depressiv-dissonanten Klängen aber dennoch eine Wirkung, die mitunter an den Sog alter Dissection-Glanztaten erinnert. Das Intro zu 'He Who Breeds Pestilence' ist ein treffendes Beispiel: pechschwarz und beklemmend sirren die Gitarren bevor es nahtlos in den typischen Behemoth-Rhythmus übergeht, der gekonnt tonnenschweres Midtempo mit scharf zustechenden Blast-Parts vermengt.
Mit dem kraftvollen, für Liveshows prädestinierten Opener 'Daimonos', der ersten Single 'Ov Fire And The Void', dem von der jüdischen Kabbala inspirierten 'Shemhamforash', dem an Morbid Angel gemahnenden 'The Seed Ov I', der wuchtigen Black Metal-Hymne 'Alas, The Lord Is Upon Me' und dem abschließenden, episch angelegten 'Lucifer', bei dem Nergal nach Jahren wieder einen polnischen Text intoniert, befinden sich gleich ein halbes Dutzend 'instant classics' auf dem Album. Behemoth beweisen damit, dass sie mit ihrem Latein noch lange nicht am Ende sind, stattdessen immer noch als Songwriter wachsen. Dies macht 'Evangelion' zu einem beeindruckend schlüssigem, spannenden Album ohne Schwächen. Wo die Band auf vorherigen Scheiben manchmal (aber auch wirklich nur manchmal) an ihren sehr hoch gesetzten Ansprüchen scheiterte, zeigt 'Evangelion' eine Metal-Band, die genau weiß was sie will und die unverkrampft und selbstbewusst ein Gesamtkunstwerk vorlegt, bei dem jede Note genau dort sitzt, wo sie zu sein hat.
Den Neidern sei's gesagt: wer sich an der Selbstdarstellung der Band und ihrem forschen Auftreten stört, soll erstmal ein Death Metal-Album vorlegen, das die Qualität von 'Evangelion' auch nur ansatzweise erreicht. Daran werden sich die allermeisten die Zähne ausbeißen.
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