Dass das legendäre Woodstock-Festival in diesem Jahr sein 40. Jubiläum feiert, merkt man erstaunlicherweise kaum in den Medien. Immerhin Ang Lees neuer Film 'Taking Woodstock' erinnert an das Spektakel von 1969. Für Nostalgiker erscheint mit der Reihe 'The Woodstock Experience' womöglich ein gefundenes Fressen. Fünf Ikonen erfahren damit auf jeweils zwei CDs eine Renaissance, die aus dem damals aktuellen Album und dem Woodstock-Gig besteht. Eines der Ziele der Woodstock-Organisatoren war es, unbekannteren Künstlern inmitten der Superstars ein Forum zu bieten. So etwa Johnny Winter. Der Gitarrist mit dem schneeweißen Haar war zwar nach Veröffentlichung seines selbstbetitelten (eigentlich zweiten) Albums kein unbeschriebenes Blatt mehr, aber das Festival setzte ihn auf die Landkarte des Blues. Von seinem Album gab er leider nur 'Leland Mississippi Blues' zum Besten. Dafür spielte er einige Nummern mit seinem kongenialen Bruder Edgar. Als Zugabe gab's den Klassiker schlechthin: 'Johnny B. Goode'. 'Volunteers', das sechste Album von Jefferson Airplane war eines der ersten, das mit einem 16-Track-Gerät aufgenommen wurde. Ein Foto dieses Ampex MM-1000 ziert die Rückseite des Albums, das nicht an frühere Werke heranreicht, aber dennoch ein kommerzieller Erfolg war. 'Volunteers' fiel vor allem durch seine Anti-Kriegs-Parolen auf, die dem Label zu 'radikal' waren. Beim Live-Gig gab es mit 'Plastic Fantastic Lover', 'White Rabbit' und 'Somebody To Love' auch die mehr oder weniger psychedelischen Klassiker von Grace Slick, Paul Kantner und Compagnons. Mit 'Stand!', einer fabelhaften Mischung aus Funk, Rock und Allerlei, machten Sly & The Family Stone die Woodstock-Botschaft von Frieden und Gleichberechtigung tanzbar. Sei es die Soulnummer 'Everyday People' oder der Anti-Rassismus-Song 'Don't Call Me Nigger, Whitey' (der dann bei dem Gig um 3:30 Uhr morgens allerdings nicht gespielt wurde), Sly sagte, was die Jugend dachte. Mit 'I Want To Take You Higher' spielte er außerdem den Funkrock-Klassiker schlechthin. Wenn eine Band ihren Erfolg dem Festival verdankt, dann Santana (damals wirklich noch eine Band). Ihr selbstbetiteltes Debüt-Album erschien einen Monat nach Woodstock und schlug sofort ein wie eine Bombe. Relaxt-jazzigen Rockklassikern wie 'Evil Ways' oder 'Jingo' kann man sich noch heute schwer entziehen. Das Live-Set unterschied sich kaum vom bis dahin noch unveröffentlichten Longplayer und erscheint hier erstmal mit 'Evil Ways'. An Janis Joplin kommt man nicht vorbei, wenn man an Woodstock denkt. Die Frau mit der Reibeisenstimme, die schon mit Mitte 20 aussah, als wäre sie über 50, war schon ein Superstar, als 'drei Tage des Friedens und der Musik' begannen. Mit 'I Got Dem Ol' Kozmic Blues Again Mama!' schlug sie damals eine etwas andere Richtung ein, coverte sogar die Bee Gees ('To Love Somebody'). Ihr Live-Set glänzte neben aktuellen Songs mit 'Summertime', 'Piece Of My Heart' und 'Ball And Chain'. Klasse, was aus den Live-Aufnahmen rausgeholt wurde. Die Klangqualität überzeugt bei allen fünf Scheiben. Alle Doppel-CDs erscheinen in detailreicher Mini-Vinyl-Optik. Das sieht nicht nur beim reproduzierten Klassiker, sondern auch bei der Live-CD schick aus. Zu der schönen Aufmachung gesellt sich jeweils noch ein Hochglanz-Poster in den Schuber. Fertig ist ein schönes Set, wobei es auch Einzel-CDs von den Live-Auftritten getan hätten.