'Necropolis' - 'Stadt der Toten'. Was wie ein naheliegender Titel für ein Death Metal-Album klingt, kann im Falle Vader auch eine tiefere Bedeutung haben. Denn dem Exitus schien die polnische Institution gefährlich nahe, als Mastermind Piotr Wiwczarek ausgerechnet im Jahr des 25. Bandjubiläums von seiner ganzen Truppe verlassen wurde. Doch Piotr ließ sich nicht unterkriegen, suchte sich eine neue, hungrige Truppe zusammen, unter anderem auch Vogg, Gitarrist der schicksalsgebeutelten Landsleute Decapitated. 'Necropolis' nahm er dann aber noch weitgehend im Alleingang auf - und beweist mit dem Resultat, dass er immer noch zu den herausragenden Persönlichkeiten der Death Metal-Szene gehört. Auf Vader war bisher immer Verlass - sei es, dass sie auf Alben wie 'Litany' einen unheimlich intensiven Hochgeschwindigkeits-Kracher nach dem anderen aneinander reihten oder bei 'Impressions In Blood' in den richtigen Momenten das Bremspedal betätigten. 'Necropolis' reiht sich nahtlos ein in die mittlerweile stolze Liste hochklassiger Vader-Werke und bietet die Vielseitigkeit und Riff-Herrlichkeit, die man vom polnischen Exportschlager gewohnt ist. Der Opener 'Devilizer' gibt mit einem mächtigen Schlagzeug-Intro den Takt vor und zwingt mit seinem zupackenden Groove jeden (nicht nur Death-) Metal-Fan zum Headbangen. 'Rise Of The Undead' geht dann mit thrashigen ICE-Riffs und Blastbeats in die von Vader perfektionierte Slayer-Tod-Richtung. Auch in der Folge geben sich mitreißendes Midtempo ('Never Say My Name' mit spannenden Tempowechseln und das unaufhaltsam dahinwalzende 'Impure') und Speed-Attacke ('Blast' heißt genauso wie es klingt) auf gleichbleibend hohem Niveau die Klinke in die Hand. Zum Abschluss wartet mit 'When The Sun Drowns In Darkness' dann noch ein deutlich vom klassischen Heavy Metal beeinflusster Song, dessen Riffs gleichermaßen simpel wie unwiderstehlich sind und bei dem Piotr dem Nachwuchs zeigt, wie ein Death Metal-Sänger (jawohl, Sänger!) zu klingen hat. Kein heißeres, charakterloses Brutalo-Gebrüll, sondern individuelles, aussdrucksstarkes und variantenreiches Gegrunze. Ja, Death-Growls und stimmliche Varianz müssen sich nicht ausschließen - nur können das so gut wie Piotr nur ganz Wenige. Abzüglich der beschwörerischen Zwichenspiele stehen am Ende - aber auch das ist der Vader-Fan gewohnt - leider nur knapp 27 Minuten Death Metal. Der aber ist vom Feinsten! Nein, Vader schaffen es nach einem Vierteljahrhundert nicht, dem Death Metal neue Facetten abzugewinnen. Aber all den (pseudo-) intellektuellen Pop-Diskurs-Hipstern, die Jahr für Jahr auf die Rettung und Neuerfindung des Rock warten, sei gesagt: Musik muss in erster Linie Gefühle ansprechen; mit welchen (etablierten und liebgewonnenen) Mitteln dies passiert, ist letztlich scheißegal. Und Vader gelingt mit 'Necropolis' ein Album, das jeden Fan extremen Metals die Körperhaare aufrecht stehen lässt und und eine positive Kraft und Energie einflößt, wie es lange kein Death Metal-Album mehr vermochte. Respekt!