Baby Woodrose: 1. Hawaiian Baby Woodrose (Argyeira nervosa); Kletterpflanze, deren Samen psychedelisch wirken. 2. Dänische Band um den Muisker Lorenzo Woodrose, die mit 'Baby Woodrose' ihr nunmehr fünftes Album auf den Markt bringen. Und man wird den Eindruck nicht los, dass die psychedelischen Samen erstgenannter Pflanze keine unerhebliche Rolle dabei gespielt haben... Schon das Cover erweckt einen back to Woodstock-Eindruck, was im Jubiläumsjahr des Festivals keinesfalls verkehrt ist. Wer also von den pink-gelben Wirbeln nicht erblindet ist und es geschafft hat, die ebenso gemusterte CD in den Player zu bugsieren, wird gleich in feinste Psychedelic-Garage-Indie-Rock-Sphären eintauchen. Sofort fühlt man sich in den Soundtrack eines T. C. Boyle-Romans katapultiert, sieht überall Hippies, wittert bewußtseinserweiternde oder beruhigende Substanzen und taucht tief ab in Klangwelten á la The Doors, Velvet Underground oder dem späteren Lou Reed. Die Gitarren sind verzerrt, das Effektbrett hat gut zu tun, der Gesang dringt wie durch blauen Dunst zu einem durch. Ein bißchen The Kinks gibt es auch zu hören, wenn bei 'No Mas' das abgehackte Riff von 'All Day And All Of The Night' anklingt. Auch bei 'Take It' meint man, besagtes Riff schrammeln zu hören. Könnten aber auch The Sonics oder The Band sein, Garage wird durchweg groß geschrieben. Auch melancholisch geht es hier und da zu, wie bei 'Open Up Your Heart' oder 'Changes Everywhere'. 'Emily' transpotiert einen dann direkt in die psychedelischen 70er und ist, laut Lorenzo Woodrose, der kommerziellste Song, den er je geschrieben hat. Was seiner Qualität aber absolut nicht schadet. Mit 'Baby Woodrose' ist Baby Woodrose ein grandioses Stück Musik gelungen, das genau die richtige Portion Schwermut gepaart mit dreckigem Rock'n'Roll besitzt, um einen sicher durch die dunkle Jahreszeit zu bringen. Kein Platz für Depressionen, erweitere Dein Bewußtsein mit einer Kanne Chai Tea und schmeiß Dich mit Deinem WG-Kompagnon in den Loungesessel, um gemeinsam abzudriften.