Was einem beim Anspielen von 'Brut Imperial' sofort in den Sinn kommt, ist die Hamburger Schule. Das macht es notwendig, sich mal wieder ins Gedächtnis zu rufen, dass sich diese Bewegung Jahre vor Tocotronic formiert hat, und auch die Boxhamsters sind schon lange genug musizierend unterwegs, dass sie einst ein noch pubertierender Thees Uhlmann für ein Grassroots-Fanzine interviewte. Obwohl aus dem farblosen Gießen stammend, wurde die Band vom Sound aus dem hohen Norden geprägt und folgerichtig erschien ihr letztes Album 'Demut und Elite' auf dem einschlägigen Label L'age d'or, was nun auch schon fünf Jahre zurückliegt. Mit ihrem neuen, achten Album sind sie nach Köln zu Unter Schafen abgewandert, ihrem Intellektuellen-Punk sind sie hingegen treu geblieben. Musikalisch kokettieren die Boxhamsters im Jahre 2009 stark mit den Kollegen von Tocotronic und - oh je - Blumfeld, halten sich endefektlich jedoch eher an Die Goldenen Zitronen oder, entfernter, an Dackelblut. Der Anspruch, alles nur keinen Mainstream zu produzieren, steckt in jeder Note und noch mehr jeder Zeile von 'Brut Imperial', vor allem aber in dem betont ambitionslosen und monotonen Gesang. Etwas anderes als das, was Co da treibt, ist zu den teils avantgardistischen Melodien auch gar nicht vorstellbar. Die Schlichtheit seiner Stimme hat ihr Pro und ihr Contra: Ihre Monotonie provoziert ein Wegdämmern; ihre Klarheit allerdings lenkt des Hörers Aufmerksamkeit auf die Texte. Und die ziehen einem den Boden unter den Füßen weg. Hinter all den Andeutungen und unter ihrem Gewicht sind sie höchst persönlich und wissen gänzlich unprätentiös und ob der hochtrabenden Ernsthaftigkeit umso herzergreifender von der Liebe zu erzählen. Und von der unbeschwerten und doch so schweren Zeit, als man 17 war, woraufhin man sich eigentlich nur noch heulend ins Bett schmeißen will. Denn diese Platte kann nur umfassend zu schätzen wissen, wer diesem Alter schon lange entwachsen ist. Das ist sie wohl, die Musik für Erwachsene.