Gerade bei Power Metal braucht es Talent, um über die Mittelmäßigkeit zu siegen, um aus der Masse herauszustechen. Seven Gates aus Italien haben eine Großoffensive auf Europas Musikmagazine gestartet, um ihr Album 'The Good And The Evil' bekannt zu machen. Die Chancen dafür stehen ganz gut, schließlich gibt es das Drittwerk inklusive Booklet zum Selberdrucken auf der Internetpräsenz der Band zum völlig kostenlosen Download. Das tun die Italiener nicht, weil sie ihr Album sonst nicht loswerden, sondern aus Überzeugung. Sollten sie irgendwann mal groß rauskommen, kriegen die rar gestreuten 1000 Hardcopies sicher mal Sammlerwert. Ein paar Beobachtungen: 'The Good And The Evil' ist musikalisch so interessant, wie der Titel aussagekräftig, driftet aber zum Glück beziehungsweise leider nicht in eines der genannten Extreme. Die Abmischung ist okay, aber nicht kernig genug, dass die Riffs richtig landen könnten oder die Drums richtig ballern. Alles etwas zu gut gemeint. Das Songwriting ist ganz in Ordnung, die Gitarrenlinien haben bisweilen fast volksfestlichen Charakter. Der Gesang ist nicht überragend, wird in den oft strapazierten hohen Lagen schnell strapazierend. In der Elektronik steckt einiges an Potenzial, erinnert zwar ab und zu schwer an die auslaufenden Achtziger, verdient aber mehr Aufmerksamkeit. Ein Ohr wert ist weniger der zu nett geratene Opener 'Message To The Stars', sondern vielmehr 'The Dragon's Kiss' und 'Freedom'. '17' macht dank höherem Tempo endlich mal etwas mehr Druck, genauso wie 'Burning Clouds', das den Zehn-Tracker eindrucksvoll abschließt. Talent ist da, jetzt aber raus aus der Knapp-über-Mittelmäßigkeit.