Wayne Hussey hatte eigentlich nie vor, 'Bare' auf den Markt zu bringen. Aber was soll man machen, wenn das gute Stück auf Tour weggeht wie heiße Semmel? Für alle Fans, die sich schon auf Konzerten mit dem Werk eingedeckt haben, ist die Nachricht aus finanzieller Sicht etwas bedauerlich, denn der Brite lockt mit vier zusätzlichen Live-Tracks. In der Auswahl der Songs lässt sich 'Bare' simpel in vier Bereiche einteilen. Es gibt die akustischen Neuinterpretationen von The Mission Klassikern, die meist minimalistischer, ruhiger und romantischer ausfallen als die etwas poppigeren Originale. Das beste Beispiel ist 'Keep It In The Family', welches durch die wunderbare Harmonie von Piano und Gitarre, eine Kombination, die das gesamte Album bestimmt, mehr als überzeugt. Andere Cover hingegen unterscheiden sich kaum vom Original. So kann man nicht behaupten, dass Wayne seinen 'Gods Own Medicine' Klassiker 'Garden Of Delight' neu erfunden hat. Eine weitere Hauptrolle spielen Neuinterpretationen von namhaften Bands wie The Cure, Beach Boys und U2 (Wie soll es anders sein? Immerhin wird seine Stimme stets mit der von Bono verglichen). Mit 'One Thing Leads To Another' hat der Wahlbrasilianer einen und auch den einzigen neuen Song beigesteuert, der zudem eher mittelprächtig ist und im Schatten der meist sehr gelungenen Neuinterpretationen steht. Den Abschluss des 77-minütigen Werks bilden vier Live-Tracks, bei denen er sich unter anderem an Ben Harpers traurige Ballade 'Another Lonely Day' heranwagt oder David Bowies 'Ashes To Ashes' nur mit Piano und einem emotionsgeladenen Gesang, der das Blut in den Adern gefrieren lässt, wiederbelebt. Zwei Sachen müssen jedoch bemängelt werden. Wer bei 'A Night Like This' und 'With Or Without You' genau hinhört, stellt fest, dass der Takt aus einer Drum Machine kommt. In Anbetracht der äußerst authentischen Versionen, ist es erstaunlich, dass Wayne die Hintergründe mit künstlichen Sounds aus der Box verschandelt. Schade ist auch, dass sich der Brite durchgehend im Low- und Middle-Tempo Bereich aufhält und dem Album dadurch den gewissen Pepp entzieht. Es ist zwar immer eine besondere Herausforderung, Lieder so zu interpretieren, dass eine neue und vor allem charakteristische Version entsteht, aber weitaus interessanter ist die Vertonung eigener Kompositionen (und damit sind nicht alte Stücke ehemaliger Bands gemeint). Nach fast zwei Jahren ohne Mark, Richard und Steve sollte doch mehr als ein neuer Song zu erwarten sein. Die musikalische Qualität und gesangliche Feinfühligkeit sind keinesfalls bestreitbar; es ist ein tolles Album geworden, dessen Kauf sich auf jeden Fall lohnt. Ich hatte allerdings mehr erhofft als ein Best Of von hauptsächlich akustischen The Mission Stücken.