Nach dem kontinuierlichen Auf und Ab der letzten dreißig Jahre fällt es schwer, einen New Oder Split noch als etwas Endgültiges anzusehen. Von daher betrachten wir Bernard Sumners Bad Lieutenant einfach mal als Nebenprojekt. The Other Two, Electronic, Monaco, Revenge, Freebass und nun eben Bad Lieutenant: Die Tradition der leicht bescheuerten Namen führt er definitiv fort. Und nicht nur das: Sanft wie Spülwasser, ebenso tief, aber: Warm! Sie baden gerade Ihre Ohren darin. In Spülwasser? Nein; in einem New Oder Seitenprojekt! Mit den bekannten Risiken und Nebenwirkungen. Wobei man fairerweise sagen muss, dass 'Cry Another Tear' exakt so klingt wie man es erwartet, Bernard Sumner öffnet den Mund und wir hören den spätestens seit 'Technique' patentierten New Order-(moll)-lastigen Pop. Dieses Mal allerdings leider in der dezent mäandernden Fassung des 1993er Sets 'Republic'. Bedeutet: Melancholischer Erwachsenen-Pop mit neonfarbenen, barocken Soundschnörkeln und schillernden Oberflächen, die das Gehör umschmeichelen und mentale Spannungen abbauen, im Unterschied zu New Orders 'Get Ready' allerdings auch mit recht wenigen Ecken und Kanten aufwarten und so eher den Charakter von bonbonrosaner Zuckerwatte als Vollkornbrot besitzen. Der Klang eines taubenetzten Spinnen-Netzes in der Morgensonne. Und genauso klebrig. Und ist 'Shine Like The Sun' ein Rewrite von 'Love Vigilantes'? Wie gehabt beginnt das Album mit der ersten Singleauskoppelung, was Sumner leider auch übernahm ist die seit 'Republic' bewährte Tendenz, Alben ohne gute Gründe über die fünzig Minuten-Marke zu jagen. Ansonsten fällt auf, dass man die Abwesenheit des für diese Musik eigentlich imminent wichtigen Basses von Peter Hook geschickt löste, indem man Alex James (Blur) einsetzte, der einen guten Job abliefert und sich im Tandem mit dem ebenfalls anwesenden Joy Division- und New Order-Drummer Stephen Morris nicht blamiert. Was bleibt? Zwei Erkenntnise: 1. Die besten New Order Ableger bleiben weiterhin 'Music For Pleasure' (Peter Hooks Monaco) und 'Twisted Tenderness' von Sumners Electronic. 2. Auch wenn das avancierte Ohr jede Millisekunde von 'Never Cry Another Tear' sofort durchhört, dürfte sich der New Order-affine Konsument diesem Sound trotzdem kaum entziehen können. Erwachsenen-Pop hin und durchsichtige (oder besser 'transparente') Manöver her: Irgendwann muss man ja schließlich auch seine Wohnung putzen. Oder Abspülen. Leute unterhalb der 30 checken in jedem Falle zuerst das New Order-Ouevre zwischen 'Movement' (1981) und 'Technique' (1989) inclusive der Singles aus!