Um das Medium Musik zu verstehen, bedarf es einer Menge Aufmerksamkeit, denn nur so können Zitat und Kopie von einander getrennt werden. Ebenfalls gilt es, bestehende Strukturen und das Potential der Zerstörung zu bemerken und einzureißen. Letzteres, welches neben dem Zitieren zu den gängigen Werkzeugen der neuen Moderne zählt, erkannten zum Beispiel Musiker wie Mike Patton oder progressive Bands wie Yes. Diese scheinen Einfluss auf eine Band wie Between The Buried And Me auszuüben, da sie ebenso wenig von festen Strukturen halten und diese genüsslich Stück für Stück von Album zu Album zerstören. Den Höhepunkt erreichte die Band aus North Carolina mit 'Colors', das verschiedene Spielarten des Metals vereinte, ohne dabei an die ruhigen Progressive-Metal-Bands zu erinnern. Stellte das letzte Album in dieser Hinsicht das Maximum dar, so geht es auf 'The Great Misdirect' ruhiger zu. Es dominieren zwar immer noch die musikalischen Berg- und Talfahrten, die Metalcore und Deathmetal zitieren, jedoch vermitteln die ruhigen Parts mit Keyboard und progressiven Gitarrensoli Tiefe und geben damit ein Gefühl der Ruhe wieder. Dennoch wären Between The Buried And Me nicht sie selbst, wenn sie einen auf der Spitze stehenden Sound nicht unterbrechen und kurze Schunkelausflüge in ihre Musik einbauen würden. Textlich handelt es sich um ein Konzeptalbum, das passend zur Musik die Frage nach einer Forderung der Zerstörung stellt. So fragt sich Sänger Tommy Rogers, inwiefern eine Fragmentierung der Dinge von Nöten ist, um einen Neuanfang zu finden. Dieses philosophische Thema kann in alle Richtungen beleuchtet werden und so finden sich im Booklet Bilder, die eine Mischung aus Instrumenten und Satellitenbildern der Erde zeigen. Was bleibt, ist die Frage, was aus musikalischer Sicht weiter passieren wird, nachdem der Höhepunkt erfolgreich abgehakt ist. Vielleicht werden Between The Buried And Me versuchen einen Weg wie Yes zu gehen und anfangen Popsongs zu schreiben, die kaum noch an die destruktiven Tage erinnern. Vielleicht tut es die Band sogar schon, wenn ihre Musik aus der Perspektive betrachtet wird, dass ihre Songs dank der zunehmenden Einflussnahme des Metals auf den Pop als eine Form des (Anti-)Pops betrachtet werden können. Somit wird mit 'The Great Misdirect' ein künstlerischer Zeitgeist befriedigt, der sich aus Irritation, Änderung von Hör- und Denkgewohnheiten und losen, unabhängigen Strukturen zusammensetzt.