Zu ihrem zehnjährigen Bandjubiläum machen sich Anajo ein ganz besonderes Geschenk: sie feiern sich selbst, indem sie sich zur Verstärkung das Poporchester des Leopold-Mozart-Zentrums der Universität Augsburg holen und 12 ihrer Songs mit Big Band einspielen. Was sich live bewährt hat, kann schließlich auch auf Platte funktionieren. In der Tat ist Anajo ein sehr individuelles Album gelungen. Bekannte Anajo-Goldstücke wie 'Honigmelone', 'Monika Tanzband', 'Mein Lieber Herr Gesangsverein' oder 'Ich Hol Dich Hier Raus' wurden gekonnt umarrangiert. Ohne Pomp und Schnickschnack, mit sattem Orchestersound, der manchmal ein bißchen Ska anklingen läßt, wenn die Bläser alles geben. Die Streicher bleiben fast im Hintergrund und untermalen gekonnt die Stimmung des jeweiligen Stückes. Selbst die gute alte Orgel wurde für 'Vorhang Auf!' wieder ausgegraben. Mit 'I Don't Want To Be A Landei', das im poppigen Humtata-Gewand inklusive Kuhglocken daher kommt, ist ein lange vergriffener Song zurück in die Gehörgänge gelangt. Und 'Jungs Weinen Nicht', ein Cover von The Cure's 'Boys Don't Cry', das bisher ausschließlich live gespielt wurde, darf endlich auch im heimischen CD-Player rotieren. Die Tatsache, dass man es auf 'Anajo und das Poporchester' mit einer ganzen Wagenladung professioneller Musiker zu tun hat, mag zunächst abschreckend wirken und gewisse Ängste von überfrachteten, verschnörkelten Arrangements heraufbeschwören. Aber Produzent Alaska Winter ist es gelungen, Band und Orchester verschmelzen zu lassen, so dass der Sound immer noch ganz und gar nach Anajo klingt - nur eben um einige akustische Facetten erweitert und bereichert. 'Anajo Und Das Poporchester' ist eine gekonnte Hommage einer Band an sich selbst. Die eingefleischten Fans werden sich über alte Bekannte freuen und neue Seiten ihrer Lieblingsband entdecken. Über das ein oder andere neue Tönchen wären sie sicherlich auch glücklich gewesen. Wer Anajo neu für sich entdeckt, bekommt eine toll umgesetzte Retrospektive aus zehn Jahren Bandgeschichte serviert, die im Ohr und im Tanzbein zwangsläufig hängen bleibt.