17 Tracks mit Titeln wie 'Tarantulas Attack', ein Bandname wie Bionic Ghost Kids - was erwartet man? Genau, die x-tausendste Variante irgendeines tödlich langweiligen Horrorpunk-Unfugs. Menschen mit weißen Masken, was erwartet man? Genau, 17 mal dämliches Herumgehopse a la Slipknot. Nichts dergleichen. Oder besser: Sowohl als auch plus noch tausend andere Sachen. Die musikalische Welt der Bionic Ghost Kids ist so verschroben durchgeknallt, dass man nicht weiß, wo oben und unten ist. CD einlegen, das Intro wegskippen, 'Poison Ivy' anschmeißen, böses Metalcore-Geshoute hören und urteilen? Nicht möglich. Denn plötzlich, ganz plötzlich passiert etwas, das jedem Hörer die Kinnladen herunterfallen lassen dürfte. Denn das Metalcorebrett verwandelt sich urplötzlich in eine Euro-Dance-Nummer, die klingt wie 'Fred Come To Bed' vermischt mit 'Blue (Dabadee)' oder 'Barbie Girl'. Sobald der Refrain vorbei ist, hat der Aufnahmeleiter wieder den Inputchannel gewechselt und die Bionic Ghost Kids hören sich wieder an wie Slipknot. Das wechselt so lange hin- und her das man irgendwann anfängt zu glauben, das das tatsächlich Absicht ist. Und das ist es natürlich. Wenn man sich einmal damit abgefunden hat, dass hier wildgewordene Irre am Start sind, macht das Scheibchen unglaublich viel Spaß. Man klingt in beliebiger Reihenfolge, manchmal sogar gleichzieitig nach den Dope Stars Inc., nach Linkin Park, nach Slipknot, nach Modern Talking, nach Haddaway und nach den Backstreet Boys - und 'Kill the Pain' klingt fast nach Tokio Hotel. Einzig und allein darf man den Bionic Ghost Kids das nervige, immer gleiche Screamo-Geshoute vorhalten. Wenn denn die harten Parts laufen, nervt die Stimme binnen 10 Sekunden furchtbar. Zum Glück wird das von dem weiblichen Euro-Dance-Gesang aufgelockert, und wenn das Geshoute nur im Hintergrund steht, ist es auch richtig gut. 'Save The Last Dance' dürfte hier das perfekte Beispiel sein, der Track überragt den Rest um einiges. Ansonsten spielen die Bionic Ghost Kids mit Einflüssen aus diversesten Filmen, die sich nicht nur in den Songtiteln niederschlagen ('Vertigo', 'Save the Last Dance', 'Poison Ivy') sondern auch durch die Benutzung klischeebehafteter Musikelemente aus verschiedensten Filmen auffällt, inklusive Wolfsgeheul und Cembalo-Gesample a la Horrorfilm der 50er bei 'Buried Alive'. Für einen Komplettdurchlauf ist das Album schon etwas anstrengend, allerdings weniger wegen der witzigen Euro-Dance-Einlagen sondern eher aufgrund der nur für Die Hard - Metalcore - Fans geeigneten Stimme des Sängers. Die Pluspunkte aufgrund der unfassbaren Originalität dieser Scheibe überwiegen diesen einzigen negativen Punkt aber so sehr, dass man das halt einfach toleriert.