Bryan Ferry, der stylische Romantiker, der nostalgische Poet, Kopf von Roxy Music, wird erneut mit einem eigenen Best-Of gewürdigt. Das ist zwar nicht unbedingt notwendig, aber dafür mit einer DVD ausgestattet, die sämtliche Video-Clips enthält. Das Solo-Material kann meines Erachtens nicht ganz mit der Musik von Roxy Music mithalten, das Art-Rock-Element durch eine manchmal fast schon schmalzige Melange aus Jazz, Pop und Soul zu ersetzen, macht allerdings den Sound von Ferry aus. Hits gab es denn auch einige, vor allem sehr kreative Cover-Versionen wie 'A Hard Rain's A-Gonna Fall' (Bob Dylan) oder 'Let's Stick Together' (Wilbert Harrison). Zu den selbst geschriebenen Highlights zählen 'Don't Stop The Dance' und besonders das schwüle 'Slave To Love', das sofort Szenen von Kim Basinger und Mickey Rourke hervorruft, als man beide noch als attraktiv bezeichnen konnte. Szenen aus '9 1/2 Wochen' sind im Video aber nicht zu sehen. Vor allem die frühen, mitunter recht abgefahrenen Musik-Videos, häufig in Casablanca-Optik, haben aus heutiger Sicht hier und da einen leicht trashigen Charmee. Als Pop-Nostalgiker muss das gesehen haben. Schon bei 'A Hard Rain's A-Gonna Fall' hat man den Eindruck, alle Beteiligten lachen jeden Moment los. Bei 'Let's Stick Together' schockiert Ferry mit fiesem Oberlippenbart. Alles Teil der Show. Leider wurden die Videos optisch nicht remastert, die Bildqualität ist kaum besser als VHS und erschreckend grobkörnig. Einundzwanzig Songs auf der CD, fünfundzwanzig Videos auf der DVD, das könnte sich eigentlich hören und sehen lassen. Doch die unspektakuläre, ja simple Aufmachung und die mangelhafte Bildqualität der DVD legen die Vermutung nahe, dass die Compilation in Windeseile für das Weihnachtsgeschäft zusammengeschustert wurde. Das haben weder Bryan Ferry noch seine Fans verdient. Der günstige Preis stimmt allenfalls milde.