Das Trio Blackwood Creek wurde 1969 von Peter Fletcher, Kip Winger und dessen älterem Bruder Nate gegründet. Richtig, zu diesem Zeitpunkt war Kip erst sieben Jahre alt, aber so soll es wohl gewesen sein. Die drei Jungs aus Colorado tourten mit Coverversionen von Sabbath, Skynyrd und Zeppelin durch die Clubs, stießen aber nur auf begrenzte Gegenliebe und lösten sich nach immerhin elf Jahren 1980 auf. Der Rest ist Geschichte. Doch 38 Jahre nach ihrer Gründung haben die drei wieder zusammengefunden und ein Studio betreten, um eigene Songs aufzunehmen, die nach zwei Jahren endlich fertig sind. Somit erscheint nun, 40 Jahre nach Bandgründung, das Debütalbum von Blackwood Creek. Ein historischer Moment! Wie schon das Cover-Artwork vermuten lässt, wird das Debütalbum von Blackwood Creek durch einen erdigen Sound bestimmt. Winger als Band klingt natürlich trotzdem durch, weil Kip die meiste Zeit den Leadsänger gibt und Winger-Alben in den letzten Jahren ja ohnehin ganz anders klangen als früher. Ein düster-grooviges 'Dead Stung' hätte da auch gepasst. Kips Moll-Passagen, die er in den letzten Jahren mal gut, mal weniger gut bei Winger einsetzte, sind auch hier nicht immer so glücklich. Dafür sind die harmonischen Gitarrensoli von Peter Fletcher mehr als amtlich. Gute Laune machen 'Your Revolution' oder 'After Your Heart', die ein bisschen nach Westcoast der späten 70er klingen, allerdings im Gewand von heute. 'Joy Ride' versprüht hundertprozentige On-The-Road-Stimmung. Die wuchtige Hymne 'Wooden Shoe' rundet als bester Song mit reichlich viel Atmosphäre ein ordentliches Werk ohne Schnick-Schnack ab. Spektakulär ist der verspätete Erstling von Blackwood Creek sicher nicht. Doch das Trio bietet Rock'n'Roll der ehrlichen Sorte, der auch dem Zuhörer Spaß macht. Wer an Wingers 'Karma' seine Freude hatte, der kann auch mit dieser Scheibe nicht viel falsch machen.