Man kann vermutlich kaum nachvollziehen, was in einer Band vorgeht, die plötzlich mit ihrem Album solche internationalen Erfolge feiern durfte, wie es 30 Seconds To Mars vor zwei Jahren taten. Ausgezeichnet mit etlichen Preisen und ausverkaufte Tourneen waren die wohl verdiente Ernte jahrelanger Arbeit. Der charismatische und nicht unbekannte Frontman Jared Leto, spielte vorher in Filmen wie Fight Club oder American Psycho mit, überzeugte dann allerdings auch musikalisch, nachdem er schon seit 1998 mit seinem Bruder 30 Seconds To Mars gegründet hatte. Wie über Nacht wurde er zu einer Leitfigur einer neuen, Kajal tragenden Generation. Die emotionale Musik hatte den Nerv der Zeit getroffen. Dass man sich nicht lange darauf ausruhen könnte war klar und lag schwer auf den Schultern der Band. Nach 8 Monaten auf Promotour und einem vollen Preisregal kehrten die vier Amerikaner wieder ins Studio zurück um nur zwei Jahre später einen Nachfolger zu präsentieren: This Is War. Gespannt legt man den Silberling ein und ebenso spannungsgeladen ist bereits das Intro. Ein tiefes Dröhnen erfüllt den Raum, Streicher bauen Dramatik auf, ein wildes Trommeln wird lauter...30 Seconds To Mars sind in alter Form wieder da! Jareds Stimme flüstert schwere Zeilen wie "Time to escape/The clutches of a name/No this is not a game" und wird schließlich durch einen gewaltigen Chor abgelöst der "This Is War" prophezeit. Das Intro wirkt wie Filmmusik zu einem Actionstreifen mit tragischem Helden. Wüste, ein Mann allein in der Hitze und plötzlich ein Abhang und es erstreckt sich vor ihm die weite Ferne... Aber zurück zum Album. Was nun kommt reißt einen schnell aus den großen, pathetischen Tagträumen und schon befindet man sich in einem typischen "30 Secs" (wie Fans die Band liebevoll nennen)-Song. Wer sich bis hierher noch Sorgen gemacht hat, die Band würde nicht an ihren Erfolg anknüpfen können, kann sich mit diesem Song bereits zurück lehnen. Eine Achterbahnfahrt der Emotionen, zwischen zerbrechlichem Flüstern, ausbrechendem Schreien, untermalt von spannendem Schlagzeug und stimmungsvollen Gitarren. Auch "Kings & Queens" baut auf dieses System, den Song dürften die Meisten allerdings inzwischen kennen und lieben gelernt haben, läuft er doch seit Wochen rauf und runter auf den üblichen Sendern. Und auch dass die Band ihre Fans persönlich ins Studio gebeten hat, um den Chor einzusingen dürfte sich auch herumgesprochen haben. Schöner kann man sich bei wahren Fans wohl nicht bedanken. "Kings & Queens" knüpft vom Sound her sehr nahtlos an das Vorgängeralbum an. This Is War versucht aber insgesamt sowieso nicht eine neue Richtung einzuschlagen, dafür wär es vermutlich zu früh. Haben sich die Fans doch gerade nach mehr von 30 Seconds To Mars gewünscht. Langweilig wird es mit dem neuen Album dennoch lange nicht. Die erwähnten, großen Hymnen wechseln sich mit kleinen zerbrechlichen Songs wie "100 Suns" ab. Mit minimalen Mitteln erzeugt dieser Song große Wirkung. Eine Stimme, Akustikgitarre und mitsingende Fans entführen in eine sehr intime Stimmung. Wie ein roter Faden zieht sich der Fan-Chor durch das Album und findet auch später noch eine tragende Rolle wie bei dem Song "Vox Populi". Was nicht am Sound der "30 Secs" vorbeigegangen ist, ist das vermehrte Benutzen von Synthie-Sounds. Durchaus gewöhnungsbedürftig ist ihr Einsatz, so verliert der ein oder andere Song ("Hurricane" oder "Stranger In A Strange Land") einen Teil seiner ehrlichen Wirkung, klingt nun poppiger und durchproduzierter. Abgesehen davon wird man mit "This Is War" auf jeden Fall seine Freude haben, nur den Kajalstift müssen jetzt Viele wieder abwischen, wenn sie sich Jared zum Idol gesetzt haben und es ihm gleich tun möchten.