Bruce Kulick rockt hart. Der ehemalige Kiss-Gitarrist serviert mit 'Fate' gleich einen aggressiven 90er-Jahre-Rocker. Seit 'I Walk Alone' (vom Album 'Carnival Of Souls') wissen Kiss-Fans, dass Bruce kein großartiger Sänger ist, aber singen kann. Skurrilerweise erinnert er im Opener gesanglich fast an Ace Frehley. Doch Soloalben von Gitarristen verkaufen sich besser, wenn man sich prominente Unterstützung ans Mikro holt. Und das hat der jüngere Kulick-Bruder für 'BK3' getan. Gene Simmons adelt 'Ain't Gonna Die', das stilistisch irgendwo zwischen 'Revenge' und 'Carnival Of Souls' angesiedelt ist. In Verbindung mit dem Gitarrensound weckt das natürlich Erinnerungen. Dem nur aus der Ego-Serie 'Family Jewels' bekannten Simmons-Sohn Nick bietet Bruce auch gleich noch die erste Gelegenheit, seine stimmlichen Qualitäten bei 'Hand Of The King' unter Beweis zu stellen. Der Filius hat ein erstaunlich tiefes Organ und erinnert verdächtig an seinen Vater. Wenn der Apfel so gar nicht weit vom Stamm fällt, trägt er vielleicht eines Tages auch das Demon-Make-Up ... Kiss-Schlagzeuger Eric Singer gehört ebenfalls zu den üblichen Verdächtigen. Gemeinsam mit ihm musizierte Bruce auch in der Band Union. Deren Frontmann John Corabi erweist sich als gute Wahl für den soliden Spätrocker 'Friend Of Mine'. Schön! 'I'm The Animal' überzeugt mit Tobias Sammet am Mikro (und Singer an den Drums). Das ist cooler Hardrock nach alter Schule! Es liegt nicht (nur) am Gesang, dass die von Kulick selbst gesungenen Nummern 'I'll Surive' und 'Final Mile' nicht recht zünden wollen. Die Songs sind einfach per se langweilig. Die schöne Nummer 'Life' hingegen wäre mit einem stimmgewaltigen Sänger sicher genial geworden. Neben dem Titelsong funktioniert 'And I Know' am besten. Witzig: Die popaffine Nummer mit 70er-Touch erinnert schon wieder an Ace Frehley. Ein Highlight gegen Ende ist die instrumentale Kooperation mit dem Gitarrengott aus Los Angeles, Steve Lukather, den der Kenner sofort raushört. Europäer bekommen noch das wuchtige Instrumental 'Skydome' als Bonustrack mitgeliefert. Die Nummer stammt von Bruce Kulicks erstem Soloalbum 'Audiodog', das man sich direkt auf seiner Website bestellen kann. Bruce Kulick ist nicht so ein kreatives Genie wie sein älterer Bruder Bob. Doch für sein drittes Album hat er ein Dutzend solider Songs zu Papier gebracht und eingespielt. Hier und da noch ein Gast mehr, dort eine kleine Songwriting-Kollaboration (bis auf den Opener schrieb er alles allein), dann hätte 'BK3' der ganz große Wurf werden können. Doch auch so wird der eine oder andere Kiss- bzw. Union-Fan sicher Gefallen daran finden. Reinhören ist Pflicht!