Supergroups - auch wenn der Begriff von den involvierten Künstlern nur sehr ungern als Label akzeptiert wird - gibt es nicht nur im Hardrock (Them Crooked Vultures, Velvet Revolver, Audioslave, A Perfect Circle oder alte Sachen wie Cream, Asia und Toto), sondern auch ab und zu im Black Metal. Wobei es hierbei angesichts der gängigen inzestuösen Beziehungen gerade in der norwegischen Szene noch viel öfter vorkommt, dass namhafte Musiker neue Projekte aus dem teuflischen Boden stampfen. Bei Ov Hell jedoch darf man ruhig von einer BM-Supergroup sprechen. Wir haben im Angebot: King ov Hell (bürgerlich: Tom Cato Visnes), ehemaliger Bassist von Gorgoroth, Mitglied der Doom Rocker Sahg und Mitgründer der Hardrocker Audrey Horne. Ach ja, mit Immortal's Abbath und Demonaz war er auch bei I mit dabei. Shagrath (Stian Tomt Thoresen) ist bestens bekannt als Frontmann von Dimmu Borgir, zockt seit zwei Alben aber auch als Gitarrist dreckigen Rock'n'Roll mit Chrome Division. Aus den 90ern erinnert man sich vielleicht noch an Kollaborationen mit Ragnarok und Fimbulwinter. Als Studioband mit dabei: Ice Dale (Arve Isdal), Gründer und Gitarrist von Audrey Horne, seit 2002 auch bei Enslaved an der Sechssaitigen zugange und Co-Schreiber der meisten Songs auf 'The Underworld Regime'. Dazu Treloch, ehemaliger Live-Gitarrist von Gorgoroth (die von King ov Hell geführte Version ohne Inferno, die dann nach verlorenem Namensstreit kurz God Seed hieß) und an der Schießbude der unvermeidliche Frost (Kjetil-Vidar Haraldstad), hauptberuflich Drummer bei Satyricon und 1349, zur Aushilfe im Studio aber auch schon bei Gorgoroth, Zyklon-B, Keep Of Kalessin und Gehenna aktiv. Alles klar? 'The Underworld Regime' ist denn auch, noch einmal bitte konzentrieren, das Album, das King ov Hell eigentlich als Gorgoroth-Album zusammen mit Ghaal nach dem Rausschmiss Infernos machen wollte. Als ein norwegisches Gericht Gorgoroth-Gründer Inferno die alleinige Nutzung des Bandnamens zusprach, wurden aus King ov Hell und Ghaal kurzerhand God Seed - und dann stellte Ghaal fest, dass er nicht mehr in der Stimmung für Black Metal ist. Also nahm King das mit Ice Dale geschriebene, mittlerweile über ein Jahr alte Material und gab es seinem Buddy Shagrath - und voilà: da haben wir nun 'The Underworld Regime'. So interessant der Hintergrund des Albums und so spannend die Frage unter Black Metal-Fans, was diesen Szeneveteranen gemeinsam gelingen wird, so vergleichsweise unspektakulär und durchschnittlich ist das Ergebnis. Schon die letzten, fast im Alleingang von King geschriebenen Gorgoroth-Alben wie 'Ad Majorem Sathanas Gloriam' waren nicht gerade Meisterwerke moderner BM-Kunst. Und auch wenn Ice Dale ein paar knackige Riffs und schniecke Rock-Rhythmen mit einbrachte, weiß das Songmaterial nicht wirklich zu beeindrucken. Schlecht, wohlgemerkt, ist das Gebotene natürlich nicht. Black Metal-Knüppeleien wie 'Devil's Harlot' und düstere, dissonante Hymnen wie 'Ghosting' halten sich geschickt die Waage und bewahren auch zu jeder Sekunde ein Mindestmaß an Qualität. Nur angesichts des involvierten Talents hätte man sich deutlich mehr erhoffen dürfen als bescheidene 37 Minuten, die für den geneigten Hörer ganz anständig, aber eben kaum nachhaltig und erinnerungswürdig vorbeiziehen. Shagrath holt mit seinen variablen Vocals und seinem bekannten Effektbaukasten aus dem Dimmu Borgir-Regal noch einiges an Spannung heraus. Letztlich sind die Songs aber einfach nicht die Knaller, das Album als Ganzes nicht dramatisch genug, die Attitüde weder fies noch krude genug, um mehr zu sein als ein bekömmlicher Black Metal-Happen typisch norwegischer Spielart für zwischendurch. Irgendwie schade. (Hinweis: statt wie ursprünglich angekündigt am 5. Februar, gibt es das Album erst ab 26. Februar im Einzelhandel zu kaufen.)