Spätestens seit ihrem dritten Album 'Made In The Dark' gelten Hot Chip als das Aushängeschild schlechthin der britischen Elektroszene: Stets für einen (geschmacks-)sicheren Hit à la 'Ready For The Floor' gut, aber auch innovativ genug um von coolen Elektro-Hipstern und Feuilleton-Schreibern geschätzt zu werden. Die perfekte Ausgangslage für Album Nummer vier, möchte man meinen. Dieses ist nun erschienen, trägt den wortspielerischen Titel 'One Life Stand' und hat durchaus das Potential, Fans der ersten Stunde vor den Kopf zu stoßen. So haben Hot Chip zum Beispiel nach Vampire Weekend als nächste an und für sich stilbewusste Gruppe den peinlichen Kanye-West-Vocoder-Effekt für sich entdeckt und halten sich im ultrakitschigen 'I Feel Better' daran schadlos. Generell scheinen die vier Briten den Romantik-Kitschpop für sich entdeckt zu haben, mit 'Slush' gibt es sogar eine waschechte Piano-Ballade auf 'One Life Stand', nach der sich Elton John heutzutage wahrscheinlich die Finger lecken würde. Etwas befremdlich wirkt dieser neue Kuschelkurs schon, wenn auch durchaus gemütliche Popmusik dabei herauskommt, die perfekt zum Kamillentee am verregneten Sonntag passt. Streckenweise ruft der loungige Stil der Songs aber auch schlichtweg Ermüdung hervor. Aber keine Sorge: Hot Chip haben ihre Zähne nicht verloren; besonders der Titelsong ist ein eingängiger Mitsing-Hit, der auch gut auf 'Made In The Dark' gepasst hätte. Auch 'Take It In' weiß zu überzeugen, bleibt aber auch den eher ruhigeren Klängen treu. Es ist offensichtlich: Die 'Shake A Fist'-Zeiten der Band sind vorbei, auf verzerrte Riffs und aggressive Refrains haben Hot Chip keine Lust mehr. Vielleicht auch, weil es davon in der Elektro-Szene mittlerweile mehr als genug gibt und der Umschwung zu sanfteren, gar akustischen Klängen der konsequenteste Weg der Weiterentwicklung ist. Das ist prinzipiell zu begrüßen, hoffentlich gelingt es Hot Chip auf dem nächsten Album aber wieder, Innovation auch mit durchgängig überzeugenden Songs zu verbinden.