Unheilig - das heißt natürlich insbesondere Frontmann und Mastermind Der Graf - sind ein Modellbeispiel, wie man als Band aus einer Nische in die breite Öffentlichkeit drängt. Strategisch brilliant, immer ausgewogen und nie übertrieben hat Der Graf sich selbst und seine Musik in der Öffentlichkeit so inszeniert, dass der Grad der Popularität langsam anstieg. Dabei hat er nie den zweiten Schritt vor dem ersten gemacht. Über Auftritte in Soap-Dokus im Fernsehen über gutes Product Placement einzelner Songs in Werbetrailern hin zur Basisarbeit bei den Fans, die bei Unheilig-Veröffentlichungen immer irgendwie ein Wort mitzureden haben - Unheilig können mit ihrem Umgang mit der Öffentlichkeit Vorbilder für kleine Bands sein, wie man es richtig macht. Dazu gehört natürlich ein Mindestmaß an Qualität, ohne den so etwas nicht funktioniert. Das neue Album 'Grosse Freiheit' hat diese Qualität. Natürlich werden Kritiker sich wieder an den stellenweise etwas plakativen Texten stören, die manchmal naiv und kindlich wirken - aber gerade das hat eben Erfolg. Die wirklich wunderbar sonore Tieflage des Grafen Stimme kann man eigentlich nur als angenehm empfinden. Musikalisch bewegen sich Unheilig auf einem geraden Pfad, der nicht verlassen wird. Unheilig sind eine Art nettes, zurückhaltendes Gegenprogramm zu primitiven Bands wie Rammstein, die nur auf Provokation setzen. Man tendiert zwar musikalisch in eine Richtung, die von Rammstein, Eisheilig, Eisbrecher und ähnlichen geprägt wird, hat aber einen fast volksmusikalischen Unterton. Das klingt jetzt gemein, soll es aber nicht sein. Der Geist von Hans Albers wird sich bei 'Grosse Freiheit' zumindest nicht im Grabe herumdrehen müssen. Auch sonst sind die Stücke massenkompatibel, im Großteil knapp unter der Vier-Minuten-Grenze und somit immer noch radiotauglich. Dabei biedern sich Unheilig allerdings nicht an, sondern sind einfach wer sie sind, und das ist auch schon seit den Anfangstagen der Band so. Dass sich jetzt nach und nach ein kommerzieller Erfolg einstellt, ist das Ergebnis hochpräziser Marketingarbeit des Grafen. Ohne die düstere, gute, nicht zu anspruchsvolle Musik und das enorme Charisma des Frontmannes würde aber selbst das beste Product Placement nicht helfen. Unheilig kann und sollte man den Erfolg und die Popularität gönnen, denn sie haben sich dafür nicht verbiegen lassen. Man mag diese Musik vielleicht nicht mögen, Respekt haben sich Unheilig allemal verdient.