'Writing about music is like dancing to architecture.', lautet ein gerne bemühtes kritisches Zitat zum Musikjournalismus. Der Versuch, das neue Album von Black Rebel Motorcycle Club gebührend zu würdigen, scheint also von Beginn an zum Scheitern verurteilt. Denn eins vorweg: Mit 'Beat The Devil’s Tattoo' präsentieren die Kalifornier ihre umfangreichste und zugleich ausgefeilteste Platte – ein Kompendium aus rohem Garagenrock ihrer Anfangsphase, schleppenden Blues-Elementen, Ausflügen in melancholische Gefilde zwischen Folk und Gospel wie verstärkt auf 'Howl' und immer wieder psychedelischen Noiseparts. So legt sich bereits im Titelgebenden Song 'Beat The Devil's Tattoo' Robert Levon Beens lamentierende Stimme schwerfällig über die melancholische Gitarrenmelodie, die an das traditionelle 'The Wayfaring Stranger' erinnert, während die Bassdrum stoisch vor sich herstampft, sich im düsteren Blues verliert und das Album eröffnet. Im zweiten Song wird bereits losgeknüppelt: Mit viel Distortion und Fuzz kratzt 'Conscience Killer' dem Song entsprechend Gewissensbisse von der Hirnrinde und peitscht alles zum vollwertigen Rock'n'Roll Song zusammen, ebenso das kernige 'Mama Taught Me Better'. Das folgende 'Bad Blood' erinnert an jene Vorlieben zu vereinnahmenden Melodien und Britpop, die Oasis Frontmaul Noel Gallagher damals veranlassten, sich als großer Bewunderer der Band zu outen und sie in die Royal Albert Hall einzuladen. Im lässig dahindümpelnden 'War Machine' begräbt das Trio ihren psychedelischen Sound unter wummernden Basslinien und erinnert mit viel verzerrten Effekten und Hall an die Noise-Eskapaden von The Jesus And Mary Chain oder Sonic Youth. Dabei scheinen sich Black Rebel Motorcycle Club lyrisch immer noch gerne von spirituellen Themen und Motiven inspirieren zu lassen. Das klingt bereits in Songtiteln wie 'Beat The Devil's Tattoo' oder 'River Styx' an, einem mythologischen Fluss der Unterwelt, aber auch wenn sie im ruhigen Gospelsong 'The Toll' sinnieren: 'With a cause there's a cure for the soul" oder im heftigen 'Shadow's Keeper' lauthals 'And everything was buried by the deep blue sky / Help me to breathe 'cause I don't wanna see the light' herausschleudern. Folkelemente wie Mundharmonika und Akustikgitarre kehren auch wieder, etwa in 'Sweet Feeling', eine im Hintergrund wabernde Orgel und eine weibliche Zweitstimme schlagen subtil die Brücke zum Spiritual. 'Long Way Down' versucht sich gar an einer nicht ganz ins Bild passenden Piano-Balade. Hauptsächlich poltert und scheppert 'Beat The Devil’s Tattoo' aber ordentlich, ist dreckig, mit noch mehr Fuzz angereichert und wummert dem Hörer prägnante Bassläufe und kratzigen Bluesrock um die Ohren. Auf ihre typische Weise haben die US-Amerikaner die vielen Einflüsse zu einem kohärenten, großen Ganzen vereint und ein beeindruckendes fünftes Album produziert – das erste übrigens mit Leah Shapiro an den Drums. Sicher, so etwas können auch andere Bands aus der Hysterie-Phase, als The Strokes, The White Stripes und Konsorten anfingen, knarzige Musik vergangener Jahrzehnte zu spielen und wieder salonfähig zu machen. Aber keine klingt dabei so archaisch, stimmt die Gitarren so tief und gleicht dem Prototyp des harten Rockers, dem 'Rebel Without a Cause' dabei mehr als das Trio aus Kalifornien. Unbedingt reinhören und auf’s Konzert gehen, denn das Beste ist – im Mai kommen Black Rebel Motorcycle Club mit dem neuen Album auf Deutschlandtour.