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Schöftland -  Der Schein trügt     Artist:  Schöftland
    Album:  Der Schein trügt
    Label:  Chop Records (H'ART)
    Release:  09.04.2010
   Medium:  Album
    Genre:  Indie-Pop ausdrucken 
    Autor:  maximilian empfehlen/teilen 
 

Warum setzt man eigentlich eine Sonnenbrille auf? Weil sie hübsch aussieht - ja. Weil zu helles Licht den Augen schadet - einverstanden. Aber doch nicht zuletzt auch weil man sich nicht blenden lassen und man seinen Blick wieder schärfen möchte. Eigentlich ist das doch ein seltsames Vorgehen: Man dunkelt alles ab, um klarer zu sehen.

Genau diesen Weg suchen die fünf Schweizer der Band Schöftland auch, wenn sie auf ihrem Debutalbum 'Der Schein trügt' gemeinsam musizieren. 'Sonnenbrille auf, wenn die Sonne schon mal scheint. Sonnenbrille auf, wenn per Zufall jemand weint.' ('Der Schein trügt') Dieser Griff zur Sonnenbrille soll eben nicht bedeuten, dass die Sonne und die Tränen verschwinden, sondern dass sie umso deutlicher hervortreten und viel besser verständlich werden. Schöftland möchten ihre Gedanken lieber hinter Glas ausdrücken, damit sie nicht so schnell verfliegen.

Musikalisch bedeutet dies, dass sie zwar Popmusik spielen, aber diese mit ungewöhnlichen Elementen anreichern. Denn während die Hörer sich bei anderen Bands schon über ein Bläsersolo am Ende eines einzigen Liedes unglaublich freuen, ist ein Saxophon fester Bestandteil der Instrumentierung bei Schöftland - genauso wie das Harmonium, ein Tasteninstrument, das die Töne mit Hilfe der Luft erzeugt, wie man es von einem Akkordeon kennt.

Außerdem geben sich Schöftland nicht mit gewöhnlichen Taktschemata zufrieden, sondern ändern die Schlagzahl des Öfteren. Wer also mitklopfen möchte, muss für die den Titelsong 'Der Schein trügt' und für das Stück 'Komet' eine gewisse Portion Rhythmus im Blut haben. In Schöftlands Musik sind diese Ungewöhnlichkeiten also viel mehr als Spielereien, sondern ein bedeutender Grundpfeiler ihrer Stücke.

Froh von Grünigens Texte sind geprägt von der Zerrissenheit zwischen Festhalten und Loslassen. Auf der einen Seite singt er von dem Verlangen, menschliche Verbindungen schriftlich festzuhalten, um den Bestand zu garantieren. 'Das Eis ist dünn, der See ist tief. Schreib mir einen Liebensbrief.' ('Liebesbrief') und 'Ich lese nochmal die letzte Nachricht von Dir.' ('Komet') Andererseits wehrt er sich gegen eine 'Massenmail' ('Wir könnten fliegen'), die sich an niemanden mehr konkret richtet und in der sich der einzelne Adressat nur noch im Kollektiv wahrnimmt. Daraufhin wünscht er sich heraus aus dieser Sphäre, gewinnt eine neue Leichtigkeit und versteht seine ehemalige Zielstrebigkeit, die er nun nur noch an anderen bemerkt, gar nicht mehr. 'Wenn einer abhebt, denke ich, wir könnten fliegen. Und Du bleibst am Boden und findest alles übertrieben. Es brauche mehr, viel mehr - und ich sei viel zu schnell zufrieden.' ('Wir könnten fliegen')
Warum denn also künstliche Ziele erschaffen, wenn ihr Erreichen gar nicht zur Zufriedenheit notwendig ist?

Scheinbar reicht der Rückzug in die Leichtigkeit aus. Wenn dann jedoch eine Person doch so wichtig ist, dass sie mit auswandern soll in diese neue Freiheit, entsteht wieder das bekannte Problem. 'Wir wollen ins Niemandsland. Wo es ist, weiß niemand. Nur - Dir gefällt es hier.' ('Niemandsland') Was also, wenn die ausgesuchte Begleitperson überhaupt nicht mitkommen und das alte Muster überhaupt nicht verlassen möchte? Zum Ende dieses Songs wiederholt sich die Zeile 'Dir gefällt es hier.' immer und immer wieder, wird dabei von Mal zu Mal leiser und meditativer. Im Hintergrund klingen reine, gezupfte Gitarren, ein tragendes Saxophon und sanfte, dumpfe Trommelschläge. Doch dann plötzlich bricht der Song aus: Die Gitarren verzerren sich, das Schlagzeug knallt, der Bass wummert. Zuerst wiegen sich Protagonist und Hörer im Reinen, dann kommt der plötzliche Bruch und die wirren Gedanken sprudeln laut los. Die Zweifel lassen sich wohl nie ganz verdrängen. 'Vielleicht liegen wir auch falsch, wenn wir meinen, es würde alles bleiben und schlechte Erinnerungen ließen sich vermeiden.' ('Das Biest')

Trennstriche zu ziehen ist ohnehin eine schwierige Aufgabe. Die Trennung von einer wichtigen Person gestaltet sich komplizierter als erhofft. Es reicht nicht, emotionslos die Fakten vorzustellen, wie es in den Strophen von 'Blaulicht' geschieht: 'Was willst Du hier mit Blaulicht? Es ist irgendwie zu spät. Warum jedes Leben retten, wenn schlussendlich jeder geht?' Nüchtern betrachtet mag es die Wahrheit sein, doch verstehen kann man sie nicht. Und deswegen verliert das Stück im Refrain seine Nüchternheit und Ruhe. Floh von Grüningen ruft: 'Du kannst nicht einfach gehen - das geht nicht. Das geht zu weit!' ('Blaulicht').

Und möchte man seine Heimat eigentlich aufgeben? Wenn Schöftland in 'Kleinstadt', dem letzten Song des Albums, ihre Heimatstadt Bern besingen, klingt dies im ersten Moment liebevoll und anhänglich. Aneinandergereihte Vorurteile über kleinstädtisches Leben, die durch die Phrase 'Man könnte meinen...' eingeleitet werden, werden durch die Feststellung 'Auch hier in der Kleinstadt ist vieles global. Auch hier in der Kleinstadt gibt es großes Potenzial.' negiert. Doch letzten Endes bedeutet eben dies, dass selbst in kleineren Siedlungen die gewünschte Ruhe nicht existiert, was die Entspannung unmöglich macht. 'Großes Potenzial' bedeutet doch schließlich nur immer wieder neue höher gesteckte Ziele. Und nach denen möchten Schöftland doch eigentlich gar nicht mehr greifen, sondern einfach drüber hinweg fliegen.

Das Ziel soll sein, keine Ziele mehr zu haben. Nur noch Träume. Denn die scheinen im Streben, um die Vorsätze zu erfüllen, häufig abhanden zu kommen. 'Du erinnerst Dich an Deine Träume. Und ich weiß immer nur, dass ich schlief.' heißt es im mit Abstand besten Stück des Albums namens 'Dass ich schlief'. Denn hier fließen die träumerische Musik und der Text, der sich nach der Erinnerung an die Träume sehnt, ideal ineinander, während diese Verbindung an manch anderer Stelle leider ein wenig holpert. Zuweilen stoßen einige Zeilen oder Reime sauer auf, weil sie der Sonnenbrillen-Idee entgegenzustehen scheinen.

Die musikalische Konzeption des Albums wirkt perfekt in ihrer Vielseitigkeit. Auch die Gastauftritte von Nils Koppruch bei 'Liebesbrief' und Gisbert zu Knyphausen bei 'Kleinstadt' reihen sich ideal in die Stimmung des jeweiligen Liedes ein und verleihen ihm eine zusätzliche Tiefe. Doch leider stören Reime wie 'Die Tage werden schwer. Vielleicht liegt es am Meer.' ('Das Biest') dieses Gefühl, mit dem sich die Melodien und Zeilen in den Kopf quierlen.

Schöftland bieten den Hörern mit diesem Album an, durch ihre Sonnenbrille auf die Welt zu sehen. Und wenn sie hindurchsehen, wird alles ein wenig dunkler. Das gleißende Sonnenlicht verschwindet und die Konturen der Umwelt schärfen sich im Dunkeln. Natürlich kann man nicht sein ganzes Leben lang mit einer Sonnenbrille durch die Gegend laufen, sondern möchte hin und wieder auch das unverfälschte Licht wiedersehen. Doch wer einmal durch eine Sonnenbrille ins Licht gesehen hat, weiß dann ein für alle Mal, wie die Dinge in der blendenden Helligkeit wirklich aussehen.


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Rezensionen:
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