Mit ihrem neuen Werk greifen die Herren Wesselsky und Pix mutig zu den Sternen am Gothicrock-Himmel. 'Eiszeit' präsentiert sich als perfekt sortierter Sound-Supermarkt, in dem sich Komponist Pix mutig aus allen Regalen bedient. Zahlreiche Klang-Anleihen treffen hier schamlos aufeinander, ohne dabei zu einem Plagiat zu mutieren. Immer wieder vernimmt der geneigte Hörer Synthie-Loops, die stark an Depeche Mode's Meisterwerke erinnern, vor allem im Song 'Dein Weg' sind die Parallelen nicht von der Hand zu weisen. 'Eiszeit' ist ein ausgesprochen abwechslungsreiches und detailliertes Album geworden, bei dem jede Zielgruppe ihr eigenes Schmankerl finden wird. Stramme Industrial-Marschrhythmen wie in 'Bombe' oder 'Amok' gehen eine mutige Fusion mit balladesken Stücken ein, die teilweise sogar Schlagerartig anmuten. Mit 'Gothkiller' präsentiert die Band eine Ode an die großen Sisters of Mercy, mit tanzbaren Beats und netten 80er Samples. Der erste englische Titel, eine leichte 'Knödelei' bleibt allerdings bei genauem hinhören nicht aus. Vielleicht hätte sich hier die Zusammenarbeit mit einem Muttersprachler gelohnt. Sänger Alexx bringt auf Eiszeit seine gesanglichen Qualitäten deutlich besser zur Geltung, wobei die Texte immer noch auf dünnem Eis wandeln. Bei Stücken wie 'Eiszeit', 'Bombe', 'Amok' und 'Supermodel' versucht sich die Band sozialkritisch zu positionieren, dennoch gelingt ihr dies nur bedingt. Die Texte sind zu flach ausgearbeitet und die Reimschemata gehen durch ihre Einfachheit bei manchen Songs schon fast auf den Nerv. Aber wohl kaum ein Anhänger dieser Band erwartet das große sozialpädagogische Nachschlagewerk für Jungtherapeuten, sondern vielmehr eine abwechslungsreiche Platte mit hymnenartigen Melodien, die gut ins Ohr gehen. Das Album weist zahlreiche Highlights auf, die wirkliche Verkaufsschlager werden können und wer Eisbrecher schon einmal live gesehen hat weiß, dass die neuen Songs perfekt für einen großartigen Konzertabend umzusetzen sind. 'Eiszeit' ist mit Abstand das beste Werk der Bajuwaren und es bleibt zu hoffen, das Bands wie Unheilig mit ihrer fetten Marketing-Maschinerie den Weg für Eisbrecher mit geebnet haben.