Nicht weniger als neunzehn kanadische Musiker verbergen sich hinter dem melancholisch anmutendem Projektnamen 'Broken Social Scene'; von Melancholie ist in ihrem vielschichtigen Indie-Folk-Pop jedoch meist nichts zu hören. Im Gegenteil, Broken Social Scene mögens eher hymnisch und pompös, reduzieren sich aber hin und wieder auch auf kleine, feine Pop-Melodien. Meist aber regiert der Überfluss, die Vielfalt und, ja, das Chaos auf den Alben des Projekts. Ganze fünf Jahre hat es gedauert, bis der Nachfolger zu dem selbstbetitelten Werk aus dem Jahre 2005 aufgenommen war, was aber vor allem an der Umtriebigkeit der beteiligten Musiker lag, die ihre Finger in mehr oder weniger der gesamten kanadischen Indie-Szene haben. Ein 'Rock Record' soll es also dem Titel nach sein; ohne einen Ton zu hören, mag man das schon als augenzwinkernde Selbstironie entlarven, denn der mehr als schwammige Begriff 'Rock' passt nur schwerlich zu den musikalischen Kapriolen von Broken Social Scene. Zweifellos ist es aber auch eine Anspielung auf die tatsächlich recht rock-orientierte, trockene Produktion und die im Vergleich zu den alten Alben tendenziell poppigere Struktur der Songs. Wer aber nun mit Strophe/Refrain/Strophe oder einer Beschränkung auf drei Akkorde pro Song rechnet, wird natürlich enttäuscht: Broken Social Scene sind ihrem chaotisch progressiven Stil treu geblieben und liefern nur wenige 'klassische' Popsongs auf 'Forgiveness Rock Record'. Teuflischerweise sind es aber auch genau diese Songs, die am überzeugendsten Vielfalt und Eingängigkeit miteinander verbinden, so zum Beispiel das aufeinander folgende Trippel aus 'Forced To Love', 'All To All' und vor allem 'Arthouse Director'. Das sind wunderschöne, verschnörkelte Folk-Popsongs, die Hirn und Füße gleichermaßen in Bewegung versetzen. Als ebenfalls gelungen erweist sich das unaufdringlich groovende 'Texico Bitches', in dem sich aber auch bereits die größte Schwäche des musikalischen Projekts offenbart: Zu viele Indie-Popper verderben eben doch den Brei und oftmals wirken die Songs zu vollgestopft, zu sehr angereichert mit allen möglichen Instrumenten, Sound-Spielereien und Melodie-Exkursen. Bereits der Opener, in dem Broken Social Scene in etwa klingen wie And You Will Know Us By The Trail Of Dead ohne jeglichen Plan, beginnt nach der ersten Hälfte, dank zahlloser musikalischer Verzierungen und Zusätze, zu nerven. Zweifellos lieben die Fans des kanadischen Musikerrudels genau diese Qualitäten ihrer Lieblinge und man kann der bunten Mischung ihren chaotischen Charme auch nicht absprechen. Die musikalischen Qualitäten der Beteiligten, sowie der brillanten Produktion sind ohnehin unbestritten. Trotz allem will der Funke nicht vollständig überspringen und 'Forgiveness Rock Record' wirkt streckenweise schlichtweg überladen.