Vielen stößt es sauer auf, wenn Bands sich von ihren Wurzeln lösen. Egal ob Darkthrone, Satyricon oder Samael: stets gibt es Ablehnung gegenüber dem neuen Stil bis hin zum Vorwurf des Verrates. Leugnen lässt sich aber ebenfalls nicht, dass einige Bands selbst durch eine gravierende Stiländerung nichts von ihrem Charme verloren haben oder an eben diesem sogar gewinnen, beispielsweise Ulver oder eben Nachtmystium. Die Band hatte sicher ihre Anhänger, in meinen Augen waren die Frühwerke aber nicht mehr als Standard-Black Metal mit Mülltonnen-Sound. Ab dem 'Instinct: Decay' Album, bei dem zum ersten Mal Psychedelic-Einflüsse zu finden waren, wurden Nachtmystium zunehmend interessanter und haben sich mehr und mehr vom Black Metal entfernt. 'Addicts' als BM zu bezeichnen ist kaum mehr möglich, es ist vielmehr - ja, was eigentlich? - ein Psychedelic-Extreme-Metal-Gebräu mit einer Spur elektronischer Töne. Das klingt zunächst vielleicht abschreckend, entpuppt sich aber als durchdachtes, enorm stimmiges Album, das von der ersten bis zur letzten Minute fesselt. Nach einem einstimmenden Intro ertönt der charakteristische Sound des ersten Liedes, der spätestens seit dem Vorgänger 'Assassins' unverkennbar mit Nachtmystium verbunden ist. Besagtes Stück 'High On Hate' stellt auch direkt eines der Highlights des Albums dar; mit rotzigem Gesang und lässig groovend steigert sich das Lied zu einer tragenden Passage, bis es mit einem psychedelischen Solo beendet wird. Gleichzeitig muss man allerdings betonen, dass jeder einzelne Song einen eigenen Höhepunkt darstellt; das mitreissende 'Then Fires', das melancholische 'The End Is Eternal' oder der hypnotische Rausschmeißer 'Every Last Drop'. Jede Nummer hat ihre vollste Existenzberechtigung, Lückenfüller wird man hier nicht finden. Nachtmystium haben ein Album kreiert, das vor Abwechslung und Atmosphäre nur so strotzt. Jeder, der etwas mit extremer Musik anfangen kann und Nachtmystium nicht auf Black Metal reduziert, muss dieser Scheibe eine Chance geben. Nach dem Stilwechsel steht die Band nun auf dem Höhepunkt ihres bisherigen Schaffens. Man darf gespannt sein, ob 'Addicts' noch getoppt werden kann - die Chancen stehen in Anbetracht dieses Meisterwerks jedenfalls denkbar schlecht. Wie treffend scheinen da die Worte aus dem Refrain des Titelstückes - 'All I want is more'. Das kann nur mit der Höchstnote belohnt werden!