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Ozzy Osbourne -  Scream     Artist:  Ozzy Osbourne
    Album:  Scream
    Label:  Sony
    Release:  19.06.2010
   Medium:  Album
    Genre:  Rock Diesen Artikel ausdrucken 
    Autor:  The Wendigo Artikel per Mail versenden 
 

Der alte Mann und das Meer? Nein, der alte Mann und der Rock. Metal. Doom. Pop? Über all die Werbungen, MTV-Serien und Klatschmagazinartikel konnte man in den letzten Jahren vergessen, dass hinter der Marke 'Ozzy' auch noch ein Mensch und ein Musiker steckt.

Nach dem gnadenlosen Selbststrip den Ozzy Osbourne jahrelang veranstaltet hat, muß man sich ob der zumindest nach außen hin wirkenden greisen Tattrigkeit des Fucking Prince of Fucking Darkness fragen, wieviel der einzelnen Songs des neuen Werkes 'Scream' tatsächlich auf das Konto von Ozzy gehen, und wieviel davon aus der Feder von Kevin Churko stammt.

Der kanadische Songwriter und Techniker, der von Bryan Adams über In This Moment bis hin zu Abartigkeiten wie Britney Spears, Michael Bolton und Celine Dion schon überall den Aufnahmeleiter oder Produzenten gegeben hat, war an jedem Song als Songwriter beteiligt. Da fragt man sich dann schon, wieviel Geld Menschen mit der Marke 'Ozzy' verdienen können. Wo Coca Cola Light Riesenerfolg hat, kann man auch Ozzy Osbourne Light anbieten? Naja, nicht ganz. Immerhin. Das Album ist auf jeden Fall sehr gut und höchst professionell produziert, wie nicht anders zu erwarten.

Die (schwarze) Seele aber, die Ozzy früher seinen Songs eingehaucht hat, fehlt hier und da. Manchmal klingen die Songs, als hätte ein Außenstehender versucht, Songs zu schreiben, die so klingen als hätte Ozzy Osbourne sie selbst geschrieben. Man kann sich das ungefähr so verstellen: Ozzy sitzt zitternd im Studio, hat eine Soundidee, Herr Churko baut einen Song daraus, spielt ihn Ozzy vor und der sagt: 'Ja, das finde ich gut'. Wieviel Ozzy ist dann wirklich da drin, wo Ozzy draufsteht?

Unabhängig davon sind auf 'Scream' einige Songs, die wirklich zünden. Gleich der Opener 'Let It Die' ist ein hypermoderner (für Ozzy ZU moderner) Kracher, der ohne Ende rockt, düster und mit einem monströsen Backgroundriffing, das nach guten alten Black Sabbath-Tagen klingt, daherkommt. Die Single (die übrigens im Rahmen der Serie 'CSI' Premiere hatte - auch ein Novum) 'Let Me Hear You Scream' ist ein recht schneller, sehr rockiger Rausschmeißer, weniger schwer und metallisch als der Opener, aber ein Ohrwurm mit einem Kiss-igen Refrain.

Am stärksten ist das Album aber bei den langsameren Stücken, die düster und bleiern aus den Boxen quellen, und davon gibt es tatsächlich zur Genüge. 'Soul Sucker', die vollends gelungene Düsterballade 'Time', die tatsächlich nach 100 Prozent Ozzy klingt, 'I Want You' und auch das schräge 'Latimer's Mercy'. Das Album wird offensichtlich (neben dem Opener) gegen Ende hin immer besser.

Hier und da wirken nämlich einige der restlichen Songs wie Füllmaterial - das etwas langweilige 'Crucify', die irgendwie nach Shania Twain klingende (warum nur?) Halbballade 'Life Won't Wait' und das von einem Midtempo-Rhythmus getragene 'Fearless' sind allesamt ganz nett, aber sofort nach dem Hören wieder vergessen. Verschenkt an ein einminütiges Outro ist die genial traurige Melodie von 'I Love You All'.

Ozzy Osbourne hat für 'Scream' seinen Namen hergegeben, hier und da ein bißchen Co-Songwriting angeboten und ansonsten singt er die Songs eines anderen. Ob das nun Sellout, Kommerz und einfach nur die höchst traurige lebensverlängernde Maßnahme für eine dahinsiechende Legende ist, oder aber man sich über ein gutes, rockendes und ultrafett produziertes Album mit einem guten Sänger freuen soll, bleibt jedem selbst überlassen.


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