Es gibt viele Bands, die den Spagat zwischen Thrash und Death Metal zu ihrem Soundbild deklarieren, aber nur wenige denen dieses Unterfangen so leicht und selbstverständlich von der Hand flutscht wie Burden Of Grief. Nachdem man sie in den vergangenen Jahren trotz qualitativer Kontinuität schon zu den zwar führenden deutschen Hoffnungsträgern, aber doch eher als ewiger Insidertipp gehandelten zählen konnte, sollte ihnen nun spätestens mit diesem fünften Machwerk der endgültige (internationale) Durchbruch gelingen. Zu wünschen wäre es ihnen allemal... Man hat nach dem etwas zu glatten und steril produzierten Vorgänger 'Death End Road' nun Produzentenlegende Dan Swanö zu Rate gezogen, um den Sound wieder in etwas authentischere Gefilde zu korrigieren und das hat sich prompt bewährt. Mit einer gekonnten Energieleistung wuchtet man sich auf den nationalen Thron und bläst zum finalen Angriff auf die zahlreichen Konkurrenten. Markantestes Merkmal von Burden Of Grief sind der stets sehr energiegeladene Groove und die harmonisch-skandinavischen Leads aus der Göteborg-Schule. Das alles wird auf technisch feinstem Niveau dargeboten und weist durchaus Abwechslungs- und Ideenreichtum auf. Man erwartet nach dem Einganggsriff eine gewaltige Thrashwalze, wird aber von einem Deathkracher umgemäht, oder umgekehrt in Erwartung bester Death-Tugenden thrashig zerhackt. Das alles wird mit allerlei auflockernden Zutaten wie einer Hammondorgel oder Akustikeinsprengseln zu einem homogenen Ganzen verflochten und dürfte jeden Fan beider Stilrichtungen zufriedenstellen. Einen Schwachpunkt stellen die Vocals dar, denen es an jeglicher Abwechslung mangelt und die sich scheinbar nicht entscheiden können, ob nun Thrashgekeife oder Deathgrowls besser wären und dementsprechend aufgesetzt daherkommen. Hier wäre etwas mehr emotionale Intensität dem rein statischen Gebrüll vorzuziehen. Das ist aber auch schon der einzige Kritikpunkt an einem Album, das sicherlich seine Anhängerschaft finden wird und mit etwas Glück vielleicht in einigen Jahren schon so etwas wie ein Klassiker des Melodic-Death made in Germany werden könnte. Insgesamt wird die Zielgruppe dennoch sicher recht jung ausfallen, da sich altgediente Death-und Thrash-Veteranen wohl eher die originalen Inspirationsquellen geben werden, aber auch der Nachwuchs braucht Stoff zur Wutkanalisierung und Burden Of Grief sind der richtige Dealer und allemal besser als der ganze gehypte Modern-Metal-Kram.Vor lauter mitreißender Energie ist die Stille nach dem Hören des Albums fast schon unangenehm. Burden Of Grief ist es vortrefflich gelungen, ein flammendes Zeichen zu setzen und ihren Stellenwert innerhalb der Szene mit den besten Argumenten zu untermauern. Solchen Flammen folgt man doch gerne. Ein ganz besonderes Schmankerl bietet die mitveröffentlichte Bonus-CD, auf der man sich nicht lumpen lässt und mit acht Coversongs den Hut vor den ganz Großen der Rock-und Metal-Geschichte zieht und dabei auf solch illustre Gäste setzt wie Sabina Classen (Holy Moses), die den Sepultura-Hit 'Refuse/Resist' begleitet und Gerre von Tankard (bei 'Valhalla' von Blind Guardian). Meister Swanö selbst gibt 'Break On Through' von The Doors gesanglich zum Besten. Neben dem geilen Pantera-Stück 'Mouth For War' ist das dann auch die interessanteste Version. Whitesnake's 'Fool For Your Loving' erzeugt ein ironisches Schmunzeln und 'Aces High' von Iron Maiden zu covern ist mutig, aber gelungen. Mit Coverversionen ist das ja immer so eine zweischneidige Sache, da man dabei auch gehörig ins Klo greifen kann, aber die fünf Hessen drücken den Originalen ihren ureigenen Stempel auf ohne diese bis zur Unkenntlichkeit zu verstümmeln und deshalb geht das hier voll in Ordnung. Lediglich Metallica ('The Four Horsemen' ) und AC/DC ('Hell Ain´t A Bad Place To Be') hätte man sich verkneifen können, aber so bekommt der Fan mit 19 Tracks immerhin Wert fürs Geld geboten. (geschrieben von Nils Bald)