Der Falke gilt der nordamerikanischen Ureinwohnerschaft als Bote zu den Göttern. Kein Wunder, dass Isobel Campbell ihn zum Symbol ihres dritten Albums mit Mark Lanegan erkoren hat, haben ihr Songwriting und besonders ihre Stimme doch für Viele etwas Göttliches. Zudem hat der Flug eines Vogels, der keine Grenzen kennt, etwas Symbolisches für 'Hawk', dessen 13 Songs in Kalifornien, Texas, Louisiana, Dänemark, Edinburgh und Campbells Heimat Glasgow aufgenommen wurde. Auch auf Album Nummer drei will das ungleiche Duo keine stimmliche Gleichberechtigung erzwingen, obwohl sie technisch leicht zu immitieren wäre. Den Reiz der Kollaboration Campbell/Lanegan macht aber von jeher eben jener fast grobe Gegensatz aus. Campbells betörende Pergamentstimme scheint hinter dem vollen Organ Lanegans fast zu verschwinden, wirkt dabei aber wie dessen zartes und doch unverzichtbares Echo. Das verleiht den Songs, die zum größten Teil als synchrones Duett eingesungen wurden, eine bemerkenswerte Vielschichtigkeit. Die entsteht auch durch zahlreiche musikalische Variationen. So bezaubernd süß der Opener 'We Die And See Beauty Reign' ist, so rau gibt sich gibt sich wiederum 'You Won't Let Me Down Again'. Ist der stampfende Beat von 'Snake Song' countryesk, geht man mit dem repetitiven 'Come Undone' ins Soulige. Der Rock'n'Roll von 'Get Behind Me' oder dem Titeltrack bleibt eine Randerscheinung und das aus gutem Grund, droht doch Campbells Stimme nun gänzlich unterzugehen. Schade, dass Lanegan sich zugunsten seiner Partnerin hier derart zurücknimmt. Gerne hätte man ihm den Solopart abtreten und sich so stimmlich richtig austoben lassen können, anstatt ihm beim souligen 'Lately' wieder einen ruhigen, fast engen Rahmen zu setzen. Schließlich hat sich Isobel Campbell für 'Hawk' noch einen zweiten Duettpartner gesucht - Willy Mason nämlich, der mit ihr 'No Place To Fall' singt. Das ist einer der Höhepunkte des Albums, neben dem so schön dahingleitenden 'Time Of The Season'. Womit wir wieder beim Falken angekommen wären. Denn irgendwie schafft es Isobel Campbell tatsächlich, sich mit 'Hawk' wie bei einem entspannten, einsamen Flug zu fühlen.