In Indieland grassiert das Solo-Fieber: Nach Julian Plenti (Interpol), Julian Casablancas (The Strokes) und in Kürze Paul Smith (Maximo Park) hat sich nun auch der charismatische Frontmann von The Killers, Brandon Flowers, ein Projekt zur Überbrückung zum nächsten Album seiner Hauptband gesucht. Dabei firmiert sein Solo-Album 'Flamingo' wie auch bei den anderen genannten Herrschaften unter seinem eigenem Namen; Flowers geht aber noch weiter in der Besinnung auf sich selbst: Als loses Thema ziehen sich Betrachtungen über seine Heimatstadt Las Vegas durch das Album. Die ist zwar Heimat aller Mitglieder von The Killers, in ihren Texten tauchte die Glitzermetropole bisher allerdings noch nie so explizit auf wie nun auf 'Flamingo'. Auffällig ist jedoch, das der Drang zur Individualisierung für Flowers bei der Musik scheinbar aufhört: Denn die hätte genauso gut auf das letzte The Killers-Album 'Day And Age' gepasst... Weniger Rock-Appeal, noch mehr Synthies, Orgeln und akustische Gitarren rücken Flowers Debüt zwar deutlich mehr in Richtung Glam-Pop als zum breitwandigen Stadionrock der Killers, die immer auf der Schwelle zum Kitsch stehende Stimmung auf 'Flamingo' erinnert dafür umso mehr an die Hauptband. Für die ach so geschmackssichere Szene-Polizei, die über den 'Verfall' der Killers zur Charts-Band arrogant die Nase rümpfte, ist 'Flamingo' also ein gefundenes Fressen um noch mehr zu lästern. Dabei zeigt sich auch auf diesem Solo-Album erneut, dass der immer etwas schüchtern wirkende, streng gläubige Flowers ein talentierter Songwriter ist, der vielleicht nicht durch ironisch gebrochene, intellektuelle Texte, dafür aber durch stimmungsvolle Beobachtungen und eine bildreiche Sprache in seinen Songs auffällt. Viel eher könnte man dem Frontmann mit der unverkennbaren Stimme unterstellen, für sein Solo-Debüt einige Songs verwendet zu haben, die bei The Killers aufgrund mangelnder Qualität durchgefallen sind. Denn trotz einer recht kurzen Tracklist finden sich vor allem in der zweiten Hälfte von 'Flamingo' einige schwächere Songs, die gefährlich nach Füllmaterial klingen, so etwa 'On The Floor' und 'Magdalena'. Der Einstieg ist mit der endgültigen Las-Vegas-Hymne 'Welcome To Fabulous Las Vegas' und 'Only The Young' dafür umso fulminanter geraten: Beides sind Songs, die mit ihrer wehmütigen Melodie und gleichzeitig druckvollen Instrumentalisierung für echte Gänsehaut sorgen. Auch die Single 'Crossfire' weiß zu überzeugen, eindeutiger Höhepunkt der Platte ist allerdings 'Was It Something I Said?', die herzzerreißende Geschichte einer Hochzeit in einer der berühmten Kapellen der Casino-Hochburg. So schön wie Brandon Flowers kann derzeit niemand anders schmachten ohne dabei in die Gefahr zu geraten, peinlich zu wirken. 'Flamingo' ist vielleicht kein mutiges, dafür aber ein ehrliches und schlichtweg gekonntes Werk eines talentierten Musikers und Sängers, dem man die Freude an seiner Musik in jedem Ton anhört.