Obwohl nicht im Punk beheimatet haben Blind den Do-It-Yourself-Gedanken mehr als verinnerlicht: der Zweitling 'The Fire Remains' wurde auf dem eigenen Label veröffentlicht, man managt sich selbst und auch das Cover-Artwork gab man nicht aus den Händen. Dass bei diesem Pensum noch Zeit bleibt, Songs zu schreiben, grenzt fast an ein Wunder. Dennoch haben Blind sich im Studio verbarrikadiert und zwölf Tracks auf einen Tonträger gebannt. Dabei haben sie sich bei allem bedient, was annähernd erfolgversprechend sein könnte: melodische Riffs, eine Portion Linkin Park-Jammer, melodramatikgeschwängerte Texte und einen Sänger mit einer guten Prise Charisma in der Stimme. In Kombination ergibt das ein Melodic-Rock-Album, das gute Chancen darauf hat, dem Quartett den Durchbruch zu bescheren, zumindest in der werberelevanten Zielgruppe von 14 - 49. Denn Songs wie 'Teenage Dreams' oder 'Room With A View' gehen zwar schnell ins Ohr, haben aber nur eine kurze Halbwertszeit und textlich nichts, das einen begleitet. Phrasen wie 'Dont't give up your teenage dreams / cause it's the heart that's dying first, that's dying first' oder 'Tell me where to run / tell me where to find a piece of me / I'm looking for someone that I call home' wirken bestenfalls abgedroschen und waren in derselben Formulierung bereits gefühlte 2467 Mal in den Top 100 präsent. Für Nerds auf der Jagd nach Platten, die einen Eindruck hinterlassen und prägen, ist 'The Fire Remains' ein klarer Griff ins Klo. Für diejenigen, die auf die Frage 'Und, was hörst Du so?' mit 'Och, eigentlich alles' antworten, haben Blind einen weiteren Meilenstein der Popgeschichte fabriziert. Unterm Strich ein handwerklich gutes Album, aber eines, das man schnell vergisst.