'Yesterday' heißt das Alternativprogramm zum samstagabendlichen Ausgehen - und gemeint ist nicht der Song der Beatles, sondern die Hörfunksendung bei WDR2. Dort spielt Kult-Moderator Roger Handt mit Telefonkandidaten ein Quiz im Rückblick auf ein Jahrzehnt zwischen 1950 und 2000. Und nebenbei präsentiert er viele Klassiker aus fünfzig Jahren Musikgeschichte. Black Mountain könnte er problemlos auch spielen, obwohl diese Band aus Kanada erst seit zehn Jahren existiert. Besonders gut wären sie in der Sendung über die 70er Jahre aufgehoben. Denn sie haben sich dem Klang des psychedelischen Rocks dieser Zeit verschrieben. Auf den zehn Songs ihres dritten Albums 'Wilderness Heart' verkleiden sie ihre Musik so, als sei sie vierzig Jahre älter. Häufig sind folkige Gitarren das Grundgerüst ihrer Stücke, das sie dann auf verschiedene Weise anreichern. Im Opener namens 'The Hair Song' setzen Black Mountain beispielsweise ein schnörkelloses, sehr druckvolles, treibendes Schlagzeug sowie eine Hammond-Orgel ein. In einer Reihe von Songs nehmen sie dann das Tempo heraus, sodass aus den wachrüttelden Melodien eher träumerische, leicht verstörende werden. Einige von ihnen erinnern dabei konkret an ältere Geschwister. 'The Space Of Your Mind' klingt mit seiner durchgehenden Akustikgitarre sowie den Spielereien auf E-Gitarre und Keyboard nach Pink Floyd - besonders, weil die Stimme des Sängers an dieser Stelle erstaunlich der von David Gilmour ähnelt. 'Buried By The Blues' und das abschließende 'Sadie' reihen sich mit ihrer Fokussierung auf benebelnde Orgel-Melodien in die Nachfolge von The Doors ein. Anderen Titeln hingegen liegt der Folk nicht zugrunde. Stattdessen orientieren diese sich eher am Stoner Rock, der heutzutage vor allem von den Queens Of The Stonge Age repräsentiert wird. Als ergänzende Elemente haben sich Black Mountain für spacige Keyboard-Klänge ('Old Fangs') oder dem Hardrock entliehene Gitarren-Soli ('Let Spirits Ride') entschieden. Die filigraneren Ansätze stehen Black Mountain allerdings wesentlich besser zu Gesicht als die härteren, die oftmals zu platt wirken. An musikalischer Breite gewinnt 'Wilderness Heart' durch die Gleichberechtigung am Mikrophon. Denn die Sängerin Amber Webber und der Sänger Stephen McBean sind in beinahe jedem Song beide zu hören - mal abwechselnd und mal gleichzeitig. Wenn beide gleichzeitig singen, steht zwar die männliche Stimme meistens im Vordergrund, doch würde dem Stück sofort etwas Elementares fehlen, wenn der weibliche Gesang verschwände. Außerdem singt Amber mit ihrer kraftvollen Stimme zu großen Teilen das Titelstück des Albums alleine und führt damit vor, dass der weibliche Gesang bei Black Mountain keinesfalls hinter dem männlichen zurücksteht. Richtig zubeißen kann das Album allerdings nicht auf ganzer Strecke. Genauso wie dem Hai auf dem Cover metallene Gitterstäbe im Weg stehen, wirken die Hardrock-Elemente auf 'Wilderness Heart' fehl am Platze. Die psychedelischen Momente sowie der Wechsel zwischen männlicher und weiblicher Stimme in den folkigeren Songs reichen als Basis für abwechslungsreiche zehn Songs eigentlich aus. Beim Zuhören stören die unpassenden Parts allerdings kaum, denn man kennt es ja bereits von den eingangs erwähnten Radiosendungen: Was einem gefällt, dreht man lauter - und wenn man mit einem Song nichts anfangen kann, geht man vielleicht zwischenzeitlich einfach mal eben in die Küche und schmiert sich ein Brot.