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Enslaved -  Axioma Ethica Odini     Artist:  Enslaved
    Album:  Axioma Ethica Odini
    Label:  Indie recordings
    Release:  24.09.2010
   Medium:  Album
    Genre:  Blackmetal ausdrucken 
    Autor:  Antal empfehlen/teilen 
 

Nach vier grandiosen Alben in Folge wartet man förmlich darauf, dass Enslaved ins Stolpern kommen - sie tun es nicht. Nach branchenüblichen zwei Jahren steht der Nachfolger zu 'Vertebrae' in den Regalen. 'Axioma Ethica Odini' ist ein für die Mehrheit sehr kryptischer Titel, über dessen rein wörtliche wie auch tiefergehende Bedeutung Gitarrist Ivar Bjørnson im Interview Auskunft gibt. 'Ethica Odini' nennt sich denn auch der erste Song, der die Reihe meisterlicher Opener auf Enslaved-Alben fortsetzt: ein simples und groovendes Basisriff treibt den Song nach vorne, Frontmann Grutle unterstreicht mit seinem fiesen Keifen, dass Enslaved trotz aller Kuscheleien mit Progressive, Psychedlic und Post-Rock immer noch knietief im extremen Metal stehen, und Keyboarder Herbrand packt wieder seine wunderschönen Gesangsmelodien aus. Heraus kommen acht Minuten voller Garstigkeit und Schönheit, wie sie heutzutage neben Enslaved eigentlich nur noch Opeth zu kreieren im Stande sind.

Wo Mikael Åkerfeldt seine Vorliebe für den progressiven, neo-klassischen Rock der 70er Jahre sehr offensichtlich auslebt und mit virtuosen, mitunter jazzigen Arrangements musikalische Achterbahnfahrten unternimmt, bleiben Enslaved in ihrem Ansatz basischer und simpler. Was aber nicht minder faszinierend und beeindruckend ist. Denn wie auf 'Axioma Ethica Odini' die doch eigentlich so gegensätzlichen Elemente von norwegischem Black Metal und 70er-Jahre Hardrock (mit psychedelisch-progressiver Schlagseite) zu einem lebendigen, atmenden Ganzen verbunden werden, ist beeindruckend. Wie schon bei 'Vertebrae' wird Herbrand viel Raum für seine gesanglichen Arrangements gelassen. Raum, den er nutzt, um den Hörer mit seiner glasklaren Stimme und filigranen Melodiebögen in den Bann zu ziehen - was dem Rest der Band mit schwermetallischen Ausbrüchen nicht minder brillant, wenn auch auf ganz andere Art und Weise gelingt. Denn es wäre falsch, diese beiden Stilelemente als totale Gegensätze im Sound von Enslaved zu begreifen. Laut-Leise-Dynamiken und gerade das Gegeneinander von Extrem-Metal und das Ohr schmeichelnden Melodien sind allgegenwärtig. Doch bei Enslaved werden nicht die Gegensätze betont und diese dann einfach gegeneinander geschnitten. Nein, Songs wie das hymnische 'Waruun', das doomige 'Giants', das schwer rockende 'The Beacon' oder das stellenweise sehr sanfte 'Night Sight' schlagen trotz gegensätzlicher Stilelemente keine wilden Haken, sondern sind im Fluß, haben ein klares Ziel, vereinen all das, was die einzelnen Bandmitglieder an Ideen zu bieten haben, zu etwas Eigenem.

Es ist nicht das Gegen- sondern das Miteinander von Black Metal, Psychedelia und ProgRock, das Enslaved wie keine andere Band momentan beherrschen. 'Axioma Ethica Odini' ist die perfekte Symbiose dieser Elemente - ohne dass das Ganze auch nur zu einer Sekunde bemüht oder verkopft klänge. Bei Trinacria toben sich Ivar, Grutle und Arve mit noisigen Soundexperimenten aus. Bei Enslaved jedoch wird das Experimentelle, das Progressive, das Verschrobene den Songs untergeordnet. Diese sind in ihrer Gesamtheit auf 'Axioma Ethica Odini' vielleicht (nach über 20 Durchgängen nähert man sich aber der Sicherheit) so gut und so emotional mitreißend wie auf keinem anderen Album der an Höhepunkten so reichen Diskographie der Band.

Ich verneige mich.


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