Für die einen ist 'Butzemann' der passende Name für einen kleinen süßen Mops, für andere eine wenig ernstzunehmende Gefahr in Gestalt des 'Schwarzen Mannes'. Das musikalische Duo namens Butzemann ist irgendwie beides: Die Nordrhein-Westphalener wollen sich mit ihrem Debutalbum 'Merechyn' zwar hinter der Maske des Bösen verstecken, setzen sich dabei jedoch verstärkt der Gefahr aus - gelinde gesagt - belächelt zu werden. Wenn ein schlecht eingesprochenes Intro nur mit den Worten 'Und so musste die böse Königin in den glühenden Schuhen tanzen, bis sie tot umfiel' beginnt, erwartet man Schlimmes: entweder eine endlose Aneinanderreihung einfallsloser und einschläfernder Märchen-Wiederbelebungen oder gar das Verweilen bei der ausgelutschten Schneewittchenthematik. Was mit 'Tanz' folgt, ist eine fade Mixtur aus elektronischen Beats und metallischen E-Gitarren, die einer rauhen Männerstimme den Takt vorgibt. Die lyrische Befürchtung bewahrheitet sich leider, allerdings werden die Märchenanekdoten von einem primitiven Ein-Wort-Refrain übertönt, der definitiv nicht zur Aufwertung der Platte beitragen kann. Die nachfolgenden zwei Stücke offenbaren das Prinzip vom Butzemann. Ein Märchen bzw. Kinderreim nach dem anderen wird sich vorgeknöpft, musikalisch von mittelmäßiger bis schlechter Qualität umgesetzt und in Weihnachtsmann-Manier eingeleitet. Problem ist nur, dass ihr EBM-Metal-Stil so gar nicht mit dem Schallplatten-Flair der Intros harmoniert und dass die Musik von Haus aus komplett reizlos ist. Wer Märchen nichts abgewinnen kann, der wird diese moralische Fiktion nach dem Hören von Butzemann noch mehr verachten, immerhin waren sie der Anlass für diese schaurige Darbietung. Nur weil die Gesichter hinter dem Bandnamen, Andreas und Christian Bargel, Brüder sind, heißt das noch lange nicht, dass sie in die Fussstapfen der Gebrüder Grimm steigen müssen. So können sie nicht punkten.